Letzte Sätze, Folge 6

Und wie wenig bleibt von jedem einzelnen Menschen in der Zeit, die so unnütz ist wie glatter, rutschiger Schnee, von wie wenig hat man Ahnung, und von diesem Wenigen wird so vieles verschwiegen, und von dem, was nicht verschwiegen wird, bleibt später nur ein winziger Teil in Erinnerung und nur für kurze Zeit: Unterdessen streben wir langsam unserer Auflösung entgegen, nur um auf der Rück- oder Kehrseite  der Zeit zu wandeln, wo man nicht weiter denken und auch nicht weiter Abschied nehmen kann: ‚Leb wohl, Gelächter, und leb wohl, Schmach. Ich werde euch nicht wiedersehen, und ihr mich auch nicht. Und leb wohl, Lebensglut, lebt wohl, Erinnerungen.‘
Javier Marías, Morgen in der Schlacht denk an mich

Pechmarie 2018, ein Märchen aus der guten neuen Zeit (Teil 2 und Ende)

Marie, pass auf, ich versteh ja, dass du dich nicht schmutzig machen willst. Und dass das ein Abenteuer ist, bei dem man nicht so genau weiß, was dabei herauskommt. Aber man muss auch mal was riskieren. Und das ist eine Chance, verstehst du? Mutter und Tochter saßen inzwischen beim zweiten Aperol und redeten sich die Köpfe heiß. Zumindest die Mutter. Marie verzog das Gesicht, rutschte auf ihrem Launschsessel immer tiefer und schaute spätestens alle fünf Minuten auf ihr Händi. Weiterlesen

Pechmarie 2018, ein Märchen aus der guten neuen Zeit (Teil 1)

Ej, was hastn du gemacht? fragte Marie ihre Stiefschwester Gunda, als die durch die Tür hereinkam. Gunda strahlte und strahlte, noch mehr als sonst. Diese ständige Positivität konnte einem echt auf den Keks gehen. Und jetzt kam die zur Tür reingeschneit, faselte was von Frau Holle oder sonem Kinderkram und dann legte sie auch noch ein paar kleine Goldbrocken auf den Tisch. Marie griff sofort danach, untersuchte sie gierig und sagte Na, das wollen wir aber schwesterlich teilen, oder?. Und Gunda, die doofe Gunda, willigte tatsächlich ein. Weiterlesen