Mein (un)poetischer Alltag – Corona, der alte Weise und der sehr sehr junge Mann

In den Zeiten des Coronavirus einen Rückflug von den Kanarischen Inseln nach Deutschland zu bekommen, war nicht unbedingt eine leichte Angelegenheit. Es hat Nerven gekostet und am Tag des Abflugs merke ich dies deutlich. Mein ganzer Körper rebelliert, die Spannung zeigt sich in Übelkeit und starkem Schwindel. Ich weiß garnicht, wie ich in diesem Zustand in mein Auto, geschweige denn, wie ich in ein Flugzeug steigen soll. Die Rückreise scheint in Gefahr. Weiterlesen

Zitat des Tages – Wehe den Übereiligen!

Und also: nur keine Hast auf den Zwischenstrecken. Wehe den Übereiligen dort. Dagegen ihr, die ihr die Zwischenstrecken, wie auch die Zwischenräume, wie auch die Zwischenzeiten, euch nutzbar macht und fruchten laßt, indem ihr euch verlangsamt und dortselbst alles nur Menschenmögliche in euch aufnehmt: wohl euch.
Peter Handke, Die Obstdiebin

 

Beitragsbild: Lothar Eder

Zum 250. Geburtstag von Friedrich Hölderlin (20.3.1770 – 7.6.1843)

Wenn wir an Friedrich Hölderlin denken, dann denken wir vor allem an einen Sucher. An einen Suchenden, dessen Suche uns tragisch anmutet. Und wir denken an einen, dessen Suche unablässig war. An einen, der, trotz der widrigsten Umstände, nie aufgehört hat zu suchen. Und wir denken an einen, der ein literarisches Werk hervorgebracht hat, das viele andere Suchende, bis in die Jetztzeit hinein, angezogen hat und anzieht. Weiterlesen

Lied des Tages – Orléans (David Crosby)

Es gibt für einen selbst Lieder, deren Klang und deren Reiz über Lebensperioden und Jahrzehnte hinweg klingt. Zeitlos gewissermaßen.

In diesem Fall ist es ORLÉANS von David Crosby, aus seinem Album If I could only remember my name (Wenn ich mich nur an meinen Namen erinnern könnte) aus dem Jahr 1971. Es war Crosby’s erstes Soloalbum nach den Jahren bei den Byrds und in der Formation mit Stephen Stills, Graham Nash und teilweise auch mit Neil Young.
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Zitat des Tages – 16. März 2020

Existieren, rein und fraglos zu exisistieren hat ihm etwas bedeutet, sein Leben lang, war ihm gar alles. Vom Universum, als etwas wohl zu Berechnendem, aber Unerforschlichen, hat er sich keinerlei Antwort für angebliche Existenzfragen erwartet und es schweigend verehrt. Er war, erzählt man, ein Frauenverehrer, ist aber bis zuletzt kaum mit einer Frau allein gesehen worden. Dabei soll er als junger Mann etwas von einem Bräutigam gehabt haben, still und zugleich aufgeregt, wie fiebrig, jedenfalls ständig in Erwartung, bereit, mit oder ohne Blume im Knopfloch.

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Mein (un)poetischer Alltag – Der alte und der junge Mann

Unter dem riesigen Ficus, am Vorplatz an der Plaza Glorietta, sitzt still ein alter Mann. Er tut nichts. Er sitzt einfach nur da. Neben ihm ein Eimer, vielleicht hat er damit irgendetwas gearbeitet, Blätter aufgesammelt oder was immer. Er sitzt da, die Hände auf dem Rundmäuerchen um den Baum aufgestützt. So kann man dasitzen. Und nichts tun. Einfach so. So geht das (denkt einer in mir). Weiterlesen

Mein (un)poetischer Alltag – Die Katze W.

Einen ganzen Tag habe ich es ausgehalten, die Katze im Ferienhäuschen nicht zu füttern. Die Katzen von früher sind nicht mehr da. Vielleicht sind sie ja nicht mehr. Die jetzige Katze hat sich gleich mir zugehörig verhalten. Sie sieht aus wie das Kind der einen Katze von früher, sie ist ebenso wuschelig. Andererseits gibt sie ständig Laute von sich, die zwischen einem Schreien und einem Quietschen liegen. Weiterlesen