Jeder Tag für Mutter Erde (Nachtrag zum Tag der Klimaproteste 20.9.2019)

Wenn die Erde deine Mutter wäre
Und sie wäre siech und elend, und dem Tode nah
Was würdest du tun?

Würdest du Schilder malen, auf die Straße rennen und mit deinen Geschwistern ein großes Geschrei anfangen?
Würdest du beginnen, jemand anzuklagen?

Wenn die Erde deine Mutter wäre
Und sie wäre siech und elend, und dem Tode nah
Würdest du nicht bei ihr sein wollen?
Würdest du nicht heraustreten wollen aus den Wichtigkeiten deines Alltags und an ihr Krankenbett eilen?
Würdest du nicht ihre Hand halten und sie fragen, was sie braucht?

Hör, was sie spricht
Und du hörst nur, wenn du vom stolzen Pferd deines Wissens absteigst
Und du hörst nur abseits der grölenden Menge
Und du hörst nur, wenn du still wirst
Und du hörst nur, wenn du deinen Mund schließt und deine Ohren öffnest
Und du hörst nur, wenn du dein Herz öffnest
Und du hörst nur, wenn du nicht hörst, sondern lauschest.

Höre, Lausche
Unsre Mutter ist siech und elend und dem Tode nah
Halte ihre Hand
Spüre ihren Atem und atme mit ihr
Spüre den Schlag ihres Herzens und verbinde dich mit ihm
Ihr Atem ist der Wind in den Bäumen, überm Meer und der Flügelschlag eines Schmetterlings
Der Schlag ihres Herzens ist das Kommen und Gehen der Wellen und das Pulsieren jeder Zelle in deinem Körper

Geh hinaus in den Wald und leg dich auf den Boden
Spüre wie sie dich trägt
So wie sie uns alle trägt seit Millionen von Jahren
Grabe deine Hände in den Boden und rieche die Erde, die entsteht, ohne dass auch nur ein Mensch etwas dafür getan hätte.
Aus diesem Boden wächst alles, was du brauchst.
Die Pflanzen, die dir Nahrung sind
Und das Wasser, das du trinkst, speichert er und gibt es frei in der Quelle

Male keine Plakate, schreie nicht, bleib auf deinem Boden
berühre und ehre ihn
So wie viele Menschen vor dir
Seit Jahrtausenden
Bedecke die Erde und verletze sie nicht
Beute sie nicht aus
Zieht nicht am Grashalm
Pflanze einen Baum, am besten zwei

Wenn die Erde deine Mutter wäre
Und sie wäre siech und elend und dem Tode nah
Und du hieltest ihre Hand
Und spürtest ihren Atem
Und spürtest ihren Herzschlag
Wüßtest du nicht was zu tun wäre, so wie ein Kind weiß?
Würdest du sie nicht pflegen mit all deiner Hingabe
Und dich freuen über ihr Lächeln –
Die Würmer auf deinem Stück Land
Die Vögel, die Schmetterlinge und die Käfer
Die Kühle des Bodens im Sommer
Und die Wintersonne, die dich wärmt in einer Nische, draußen, wo keiner dich sieht
Bewache dann ihren Schlaf, so wie sie deinen bewacht seit deinem ersten Atemzug

Image by Gerd Maiss from Pixabay

Herbst III – Autumn Leaves

Autumn Leaves gilt als Jazzstandard und die Zahl der Versionen sind Legion. Das Stück geht auf das französische Chanson Les Feuilles Mortes zurück. Autumn Leaves ist ein Klassiker des Jazz. Die Melodie des Stücks ist immer dieselbe, doch die Spielweise und das Führungsinstrument geben ihm eine je eigene Stimmung. Es ist eben ein Unterschied, ob es cool, laid back oder modern interpretiert wird und ob das Führungsinstrument wie hier die Gitarre, die Trompete (wie z.B. von Miles Davies oder Chet Baker) oder das Piano (wie z.B. von McCoy Tyner) ist.
Hören wir hier die wunderbare Fassung des legendären Gitarristen Jim Hall im Duett mit Ron Carter aus dem Jahr 1972, herrlich in the mood und zurückgenommen (laid back) gehalten, dabei präzis-virtuos in den improvisierten Passagen. Weitere Fassungen warten – aus gegebenem Anlaß – darauf, in der Radikalen Poesie zu erklingen.

Herbst II – Herbstgeschichte (Eric Rohmer)

Herbstgeschichte ist ein weiterer Film Eric Rohmers aus dem Zyklus Erzählungen der vier Jahreszeiten (Contes des quatres saisons). Auch hier begegnen wir wieder der typischen Filmsprache Rohmers, der spielerisch und mit Leichtigkeit scheinbar beiläufig tiefe Themen anrührt.
Der Herbst bildet die Rahmung und das Subthema des Films. Herbst ist Zeit der Ernte und der Reife – gleichsam allegorisch sind die Weinlese und der Genuß des gereiften Weins in  die Erzählung eingewoben. Das Kernthema ist die Liebe bzw. die Suche nach ihr in der Lebensphase des Herbstes – die Protagonisten haben bereits ein Leben gelebt, das Früchte getragen hat und stellen sich der Frage, wie sie nun weitergehen möchten. Dabei gibt es natürlich einige Verwirrungen, aber mehr soll nicht verraten werden.

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Musik aus La Palma – Cesaria (Vrandan)

Vrandan sind eine Musikgruppe von der kanarischen Insel La Palma. Der Name geht zurück auf die mystischen Borondon-Inseln, die vom irischen Mönch Saint Brendan auf einer Seereise entdeckt wurden. Die Borondoninseln existieren in der dreidimensionalen Wirklichkeit nicht, aber ihre Lage wird in Seekarten des Mittelalters in der Nähe der Kanarischen Inseln verortet. Weiterlesen