Parsifal, Mannheim

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Heutzutage noch zu Wagner zu gehen, und dann auch noch in den Parsifal, scheint vollkommen aus der Zeit gefallen.

Der Zeitgeist ist kein Wagnerianer. Ersterer ist oberflächlich, schnell und fällt Urteile wie Fallbeile. Wagner dagegen lotet Tiefen aus und dies in epischer Breite. Heißt konkret: wer einer Wagneroper beiwohnen will, braucht in der Regel reichlich Sitzfleisch. Und der Besucher muß sich einlassen Weiterlesen

Von der Schönheit des Guten

Unter diesem Titel sind die „Betrachtungen und Beobachtungen“ von Ralph Waldo Emerson, herausgegeben von Egon Friedell, erschienen.

„Wer ein Mensch sein will, der muß Nonkonformist sein“, so lautet eine der Überzeugungen des ehemaligen Predigers, der sein Amt aber nach 3 Jahren bereits wieder aufgab.

„Kinder des Waldes“ nennt er seine Gedanken, weil sie auf langen Spaziergängen durch die Wälder entstanden sind und in Essays einflossen, die sich an Montaigne orientierten.

Im Text „Mut“ steht folgendes zu lesen: „In allen Geistestätigkeiten ist dieselbe Macht siegreich: die Fähigkeit, im eigenen Herzen zu lesen; denn im Herzen allein ist alle Wahrheit und aller guter Rat zu Hause“.

 

Wer wir waren

Im vorletzten Jahr ist unter diesem Titel Roger Willemsens letztes Buch erschienen, nach seinem Tod.

Der Text ist ein Manifest. Seine Kürze steht in umgekehrtem Verhältnis zu seiner Kraft und seinem Gehalt.

Sollte ich nur ein paar wenige Bücher auf eine einsame Insel mitnehmen dürfen, dieses Buch würde wohl dazugehören. Weiterlesen

Dankbarkeiten

Unter diesem Titel findet sich ein Tagebucheintrag Frischs aus dem Jahr 1969. Dort schreibt er (Kürzungen LE):
“ Keine Instanz verlangt jährlich oder zweijährlich (wie die Steuerbehörde) eine Liste der Dankbarkeiten … Gäbe es eine Instanz, die eine Liste der Dankbarkeiten binnen einer Woche verlangt, so würde ich […] auf die Liste setzen:

a.
die Mutter
f.
eine leichtsinnige Gesundheit
s.
Freundschaft mit Kollegen
u.
die Nachbarn im Dorf
w.
der Partner, der mit mir lebt
x.
daß Ehrgeiz nachläßt
y.
Träume, auch die schweren
z.
allerlei Glück mit dem Auto

Max Frisch, Die Tagebücher, Suhrkamp 1983

Aus dem Nähkästchen der Landschaftsfotografie – Laufen, Schauen, Laufen, nochmal Hinlaufen, aufs Licht Warten, Aufnehmen …

EiterbachTIF Kopie - Arbeitskopie 2
EITERBACH // Lothar Eder (2011)

Als Karl Valentin sagte, Kunst sei schön, mache aber viel Arbeit, muß er an die Landschaftsfotografen gedacht haben. Landläufig gibt es ja die Auffassung, dass der Landschaftsfotograf halt seine Kamera dabei hat, wenn er unterwegs ist, und wenn er was Schönes sieht, nimmt er es auf. Weit gefehlt.  Weiterlesen