Herbst III – Autumn Leaves

Autumn Leaves gilt als Jazzstandard und die Zahl der Versionen sind Legion. Das Stück geht auf das französische Chanson Les Feuilles Mortes zurück. Autumn Leaves ist ein Klassiker des Jazz. Die Melodie des Stücks ist immer dieselbe, doch die Spielweise und das Führungsinstrument geben ihm eine je eigene Stimmung. Es ist eben ein Unterschied, ob es cool, laid back oder modern interpretiert wird und ob das Führungsinstrument wie hier die Gitarre, die Trompete (wie z.B. von Miles Davies oder Chet Baker) oder das Piano (wie z.B. von McCoy Tyner) ist.
Hören wir hier die wunderbare Fassung des legendären Gitarristen Jim Hall im Duett mit Ron Carter aus dem Jahr 1972, herrlich in the mood und zurückgenommen (laid back) gehalten, dabei präzis-virtuos in den improvisierten Passagen. Weitere Fassungen warten – aus gegebenem Anlaß – darauf, in der Radikalen Poesie zu erklingen.

Herbst II – Herbstgeschichte (Eric Rohmer)

Herbstgeschichte ist ein weiterer Film Eric Rohmers aus dem Zyklus Erzählungen der vier Jahreszeiten (Contes des quatres saisons). Auch hier begegnen wir wieder der typischen Filmsprache Rohmers, der spielerisch und mit Leichtigkeit scheinbar beiläufig tiefe Themen anrührt.
Der Herbst bildet die Rahmung und das Subthema des Films. Herbst ist Zeit der Ernte und der Reife – gleichsam allegorisch sind die Weinlese und der Genuß des gereiften Weins in  die Erzählung eingewoben. Das Kernthema ist die Liebe bzw. die Suche nach ihr in der Lebensphase des Herbstes – die Protagonisten haben bereits ein Leben gelebt, das Früchte getragen hat und stellen sich der Frage, wie sie nun weitergehen möchten. Dabei gibt es natürlich einige Verwirrungen, aber mehr soll nicht verraten werden.

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Musik aus La Palma – Cesaria (Vrandan)

Vrandan sind eine Musikgruppe von der kanarischen Insel La Palma. Der Name geht zurück auf die mystischen Borondon-Inseln, die vom irischen Mönch Saint Brendan auf einer Seereise entdeckt wurden. Die Borondoninseln existieren in der dreidimensionalen Wirklichkeit nicht, aber ihre Lage wird in Seekarten des Mittelalters in der Nähe der Kanarischen Inseln verortet. Weiterlesen

Mein (un)poetischer Alltag: Der Spastiker im Zuschauerraum

Während einer Aufführung saß ein Behinderter, ein spastisch Gelähmter im Theater. Er kam später und veränderte sofort die Stimmung im Saal. Zu dem Sprechen, Laufen und Gestikulieren der Schauspieler machte er Laute, mal eine Art Lachen, mal andere Töne, die mir als Beifall, als Erstaunen, als intensives Beteiligtsein des Mannes vorkamen. Ich merkte, wie auch die anderen im Saal aufmerksam für ihn waren. Ich glaubte ihr Befremden zu spüren. Weiterlesen

Zitat des Tages – Helenas Exil (Albert Camus)

Wir haben die Schönheit verbannt, die Griechen griffen für sie zu den Waffen. Ein erster, doch grundlegender Unterschied. Für das griechische Denken war stets die Begrenzungsidee vorherrschend. Es hat nichts auf die Spitze getrieben, weder das Heilige, noch die Vernunft, weil es nie etwas verleugnete, weder das Heilige, noch die Vernunft. Es hat alles einbezogen, den Schatten durch das Licht ins Gleichgewicht bringend. Unser Europa hingegen, das sich berufen fühlt, alles zu erobern, ist die Tochter der Unmäßigkeit. Es leugnet die Schönheit, wie es alles leugnet, was es nicht anbetet. Und es betet, sei es auch auf verschiedene Weise, ein Einziges an: den zukünftigen Sieg der Vernunft. In seinem Wahn versetzt es die ewigen Grenzen, und in diesem Augenblick stürzen sich düstere Erinnyen darauf und zerreißen es. Nemesis wacht, die Göttin des Maßes, nicht der Rache. Alle, die die Grenzen überschreiten, werden von ihr unerbittlich gestraft.

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Post aus Wörding – Studierendenfutter

Neulich war ich im Biomarkt und stand vor dem Regal mit dem Knabberzeugs. Und was sehen meine Augen: eine Tüte „Studierendenfutter“. Daneben entdeckte ich von einer anderen Marke ein „StudentInnenfutter“. Und da noch ein „Student*innen_futter“. Da sahen meine trüben Augen eine Packung mit „Studentenfutter“. Ich nahm sie erleichtert in die Hand und las mir das Kleingedruckte auf der Packung durch. Da stand, dass sich die Firma entschlossen habe, aus Geschlechtergerechtigkeitsgründen, monatlich wechselnd, einmal die männliche, einmal die weibliche Form zu nehmen. Weiterlesen