AUS! – Oder: die sich selbst ausschaltende Maschine

Das digitale Zeitalter, diese Einsicht entnehme ich dem Buch „Unsterbliche“ von Friedrich Kittler, ruht im wesentlichen auf den Schultern zweier Männer. Einer davon ist der Mathematiker Claude Elwood Shannon. Er bewies 1937 in seiner Magisterarbeit, daß alle Logik in einfache elektrische Telegraphenrelais paßt. Dies war der Grundstein der Informationstheorie. Weiterlesen

Nervöses Weihnachtsgelichter – 14 Tage vor dem 1. Advent

Natürlich ist die Welt nicht so wie ich sie mir wünsche. Und ich bin bereit, mich seelisch darauf einzurichten. Ehrlich!

Heute Nachmittag jedoch, ich schaue aus dem Küchenfenster meiner Praxis auf das gegenüberliegende Haus, fällt mir das Einverstandensein bzw. das Mich-seelisch-darauf einrichten wieder einmal schwer.

Ja, ich weiß: es ist üblich, dass die Osterhasen Weiterlesen

Unfrisierte Gedanken zur Behandlung der Eilkrankheit – Das Langsamrennen

Dem französischen Philosophen Paul Virilio und seinem Untersuchungsschwerpunkt, der Dromologie, folgend, könnte man unser Zeitalter als ein dromokratisches bezeichnen. Dromologie ist die Disziplin, die sich mit dem Verhältnis einer Gesellschaft zur Geschwindigkeit beschäftigt. Bei uns muß alles immer schneller gehen – Jacques Tati hat dies mit seinem Postboten Francois und seinem Wahlspruch „Rapidité“ (s. Beitrag vom 12. September 2018, Beschleunigung und Beziehung: Jacques Tati) eindrücklich-humorig in Szene gesetzt. Der Alltag ist im digitalen Zeitalter noch mehr von zu erledigenden Aufgaben beherrscht, denn die scheinbar so hilfreichen Geräte wollen nicht nur ständig ge-apdejtet werden, sie fordern zudem unsere stete Beachtung. Wenn ich mit dem Hund auf den Neckarwiesen Weiterlesen

Letzte Sätze, Folge 4

In einem Schwall ergoß sich jetzt das Licht über den Park, den gestürzten König, die Vögel, tauchte alles in diesen grellen Überfluß der Helligkeit, mit der Tage anheben, die später in Regendüsterkeit verdämmern, ließ einen Augenblick lang jeden Umriß scharf und schwarz hervortreten, bis sich dann alles in ein überschwengliches Strahlen verschwendete, zum Katzengold und Funkeltrug kühler Frühlingstage zerfloß, schimmerte, flimmerte, glänzte, und sich in ein blendendes goldenes Beben auflöste, in dem all das, was mich über Monate begleitet hatte, zerging wie eine der Sonne anheimfallende Wolke, und in diesem über alles hinwegbrandenden Glanz verwandelten sich das Marschland jenseits des River Lea und der River Lea selbst in einen vom Meer kaum noch zu unterscheidenden Küstenstreifen, der sich wie Brandung hob und senkte und alles darauf Errichtete in dieser Bewegung untergehen ließ.
Esther Kinsky, Am Fluß