Gedicht zum Tag

 

Oktober

Der süße Duft
Von welken Pappelblättern
Herabgesunken
Gerufen
Zu ihrem Ursprung

Er kündet
Von der Leichtigkeit
Vergangener Tage
Vom Licht
Und
Vom heutigen Tag
(L.E.)

Fotografie: „Wind in einer kleinen Pappel an der Großen Kirr bei Zingst“  © Lothar Eder 2018

Regen

Ich persönlich gehöre zu den Menschen, die Regen sehr schätzen. Ich liebe Regentage. Sie entspannen mich. Sie geben mir das Recht, drinnen zu bleiben, zu dösen, zu schlafen, zu lesen. zur produktiven Untätigkeit. Weiterlesen

Denk es, o Seele

Auf Reisen. Vorgestern saß ich im Frühstücksraum eines Gasthofs in einem niedersächsischen Dorf, südlich von Hamburg. Der Blick fällt durchs Fenster nach draußen auf die Kreisstraße, Zubringer zur Autobahn. Es herrscht nicht viel Verkehr, die wenigen Autos aber sind schnell und rastlos unterwegs. Dann, wie aus einer anderen Welt, fährt eine schwarze Kutsche vorbei. Hinten, in den beiden Nischen rechts und links, zwei kleine Blumensträuße. Eine Trauerkutsche, auch der Kutscher auf dem Bock ist schwarz gekleidet. Die Kutsche trotzt dem Tempo, das die Straße vorgibt. Sie entzieht sich ihm. In würdevoller, entschlossener Langsamkeit schwebt sie fast vorüber.

Mörikes Gedicht „Denk es o Seele“ kommt mir in den Sinn. Hugo Wolf hat es vertont, es ist Teil seiner „Mörike Lieder“. Von den zahlreich verfügbaren Interpretationen des Liedes habe ich eine von Dietrich Fischer-Dieskau aus dem Jahr 1957 ausgewählt:

 

Trilogie der Vertreibung II – „Altes Land“ von Dörte Hansen

Der zweite Roman, den ich in dieser kleinen Rezensionsreihe vorstellen möchte, ist „Altes Land“ von Dörte Hansen. Das Buch ist das vielbeachtete Debut der Autorin aus dem Jahr 2015, in der Presse hochgelobt und auf Platz eins der Bestsellerlisten. Zurecht, möchte ich voranstellen.

Es ist dies ein kräftiger, mit sicherem Gespür geschriebener Text, der die Seelenlandschaft seiner Personnage in treffenden Metaphern verdichtet, ohne je geschwätzig zu werden. Die Handlung erfährt man Weiterlesen

Der kontemplative Blick als Praxis der Freundlichkeit – Zitat zum Tag

Buenavista xx

“ … unterwegs zu einer anderen Zeit, die keine Zeit der Arbeit ist, zu einer Zeit des Langen und Langsamen, die ein Verweilen möglich macht. Die Arbeit ist letzten Endes auf die Herrschaft und Einverleibung aus. Sie vernichtet die Distanz zu den Dingen. Der kontemplative Blick dagegen schont sie. Er beläßt sie in ihrem Eigenraum oder Eigenglanz. Er ist eine Praxis der Freundlichkeit.
[…] Der lange, kontemplative Blick übt sich in einer Wahrung von Distanz zu den Dingen, ohne jedoch die Nähe zu diesen zu verlieren. Seine räumliche Formel ist die ‚Nähe an Distanz'“
Byung-Chul Han, Der Geruch des Eichenholzes, in: Duft der Zeit, S. 79-80

Ulrich Schacht (9.3.1951 – 16.9.2018)

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Bildquelle: ef Magazin

Verrat mir ein / Geheimnis. Oder mich. Oder / lösch ganz einfach das / Licht in deinem / Auge wenn du / gehst will // ich in der / Tür stehn die / Blätter zählen die der / Wind aufwirbelt ihre / Summe wissen wenn / sie wieder am / Boden // liegen: Das / Muster bergen das / unseren Augen / bleibt.
(Ulrich Schacht, Herbst Brief)