Er war einer der letzten großen deutschsprachigen Schrifsteller der Nachkriegszeit.
Heute ist Martin Walser gestorbenViel wäre ihm nachzurufen, viel zu loben. Vor allem der Lesegenuss, den er (mir) bereitet hat.
Doch er soll das letzte Wort haben. Zumindest hier.
2017 veröffentlichte er ein bedeutendes Spätwerk – Statt etwas oder Der letzte Rank.
Das Buch nennt sich „Roman“. Tatsächlich aber ist es ein kleines Epos der Innerlichkeit, voll von lichtdurchfluteten poetischen und philosophischen Sätzen.
Hier ein Zitat aus dem Text, die Worte klingen fast schon wie Abschiedsworte. Worte am Ende eines reichen Lebens. Voller Licht, Raum und Versohnlichkeit:
Friedensfeier, aber bald
Durch nichts zu ersetzen ist die Bestimmtheit, wenn sie fehlt. Du kannst fast nichts lernen.
Du bist ein Aufbruch, dem nicht gesagt wird, wohin. Wenn alle Autos plötzlich führen, als führen sie zum selben Ziel. Kindische Wünsche. Endlich mit den Armen nur noch umarmen, auch die Fallensteller, die Untersteller. Den Mund zu nichts mehr brauchen als zum Küssen. Die Hände zum Streicheln. Zu Fäusten haben sie nie getaugt. Wenn ich nur nicht vorsichtig werde. Ich spür ja, wie mir der Hölderlin-Mut fehlt. Viel zu wenig frech bin ich.
Dass ich nichts mehr wissen will von den Quartieren,
in denen
das Rechthaben blüht, ist schon fast ein Verbrechen.
Umarmen,
streicheln, küssen, aber alle. Alle Fallensteller, Untersteller,
Verdächtiger. Mir ist zum Umarmen keiner zu
schrecklich.
Zum Unterscheiden bin ich nicht blind genug. Wie
jeder werd ich
durch Zustimmung schön. Zur Friedensfeier komm
ich, sagt mir, wohin.
Der himmlischen, still widerklingenden, Der ruhig
wandelnden Töne voll,
sei, was ist. Ich, das Echo der Freundlichkeit. Zu
hoffen ist nichts.
zu lieben viel. Überall willkommen ist niemand,
Robinson ist
ein Patron. Ich habe mich so vergangen und will
gefunden werden, wo ich am liebsten wär.
Danke für alles, lieber Martin Walser, und eine gute Reise!
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