Können Eichen singen?
Eine neues Verständnis von der Welt, der Natur, ihrem Wesen und damit unserem Wesen fußt auf dem Verständnis, dass letztlich alles Schwingung ist.
Dies bringt eine poetische Schau auf die Welt und uns selbst mit sich. Diese Schau knüpft an die europäische Antike an wie an die vedische Sicht des Nada Brahma – „die Welt ist Klang“.
Aus dieser Anknüpfung entsteht eine Bio-Logie – eine Lehre vom Leben – die sich nicht mehr auf die abstrakte Beschreibung von Vorgängen in der Welt und der Natur aus einer kühlen Beobachterposition heraus beschränkt.
Abgelöst wird diese Sicht durch eine poetische Wissenschaft, in welcher das stete Schwingen, Hervorbringen und Werden mit der Eigenheit und der Vernetztheit aller Wesen zusammenkommt. Diese Wissenschaft versteht sich als Teil des Geschehens, sie ist in ihren Vollzügen nicht abgetrennt von ihrem Gegenstand.
In einer wunderbaren Weise formuliert der Biologe und Philosoph Andreas Weber die Standpunkte dieser neuen Wissenschaft. In seinem Vorwort zum Buch „Im Bann der sinnlichen Natur“ von David Abram (einem weiteren Vertreter dieser poetischen Ökologie) schreibt er zum Thema einer „poetischen Biologie“:
Der Poet erfindet nicht.
Er hört zu.
Jean Cocteau
„Eine neue Biologie erblickt Poiesis, schöpferisches Werden, wo wir Poesie wahrnehmen, als deren Quelle. Sie findet in den Lebensvollzügen Instanzen von Gestaltbildung, die von niemandem gesteuert werden, die aber gleichwohl Sinn, Kohärenz und Innerlichkeit hervorbringen. Überall entdecken wir Netze, die, anders von der Kybernetik angenommen, nicht allein komplexe Rückkoppelungen gebären […].“

„Schläft ein Lied in allen Dingen“ dichtete einst Joseph von Eichendorff. Und eben dieses Lied, diese Schwingung ist es, das für uns Menschen auch in Worte finden, zu Wort kommen will, damit wir die Welt und die Natur nicht nur er-fahren, sondern auch be-greifen.
„Schläft ein Lied in allen Dingen, die da träumen fort und fort“, geht das Gedicht weiter, „und die Welt hebt an zu singen, triffst du nur das Zauberwort“.
Die Sprache einer neuen Wissenschaft vom Lebendigen, in der Biologie, Philosophie und Poetik zusammenkommen, muss so sein, dass sie sich einweben kann in den Gesang der Eiche. Es ist herrlich, dass wir die technischen Mittel haben, die Schwingungen eines Baumes ebenso wie diejenige anderer Pflanzen für uns hörbar zu machen.
Vielleicht ist es ein Traum, dass wir auf dem Weg zu dieser neuen Schau, die auf Altgriechisch Theoria (Anschauen, Betrachten) heißt sind und für die Andreas Weber und David Abram beispielhaft stehen .
Die Welt wäre mit dieser Sicht auf die Welt sicherlich eine freundlichere und friedlichere.