Lughnasadh oder Lammas ist das traditionelle Ernte- oder Schnitterfest unserer alteuropäischen Ahnen, in diesem Fall der Kelten. Am Erntefest begehen wir auf der äußeren Ebene das Geschenk der Fülle, das Mutter Natur uns mit all den Früchten, dem Korn und all den Gaben, die sie uns schenkt, zukommen lässt.

Auf der inneren Ebene ist Lughnasadh eine Schwelle im Jahreskreis, die uns aufruft, innezuhalten und uns unserer inneren Ernte bewusst zu werden. Der Fülle in unserer Seele. Derjenigen des vergangenen Jahres. Und auch all der Jahre, die wir in diesem Leben schon verbracht haben.

Es ist ein großes Missverständnis, dass wir nur den äußeren und materiellen Dingen und Vorgängen unsere Aufmerksamkeit schenken müssten, um „klarzukommen“: Die Seele ist wie ein Garten. Sie braucht Aufmerksamkeit und Pflege. Ja mehr noch, sie braucht unsere Hingabe. In der Psychotherapie gebe ich den Menschen, mit denen ich arbeite, die Regel an die Hand: täglich mindestens soviel Zeit für Seelenpflege wie für Zahnpflege.

Mach dir deine innere Fülle bewusst. Nimm dir Zeit, durch die Tür zu deinem inneren Raum zu gehen und fühle, er-ahne (!), was dir darin begegnet. Welche Erfahrungen durftest du machen in der Zeit seit dem letzten Lughnasadh? Wer oder was ist dir begegnet, wie war dein Weg, welche Wandlungen hast du vollzogen? Welche Auf-Gaben hast du bekommen und wie bist du damit umgegangen? Was in dir, in deinem einzigartigen So-Sein, ist mehr zum Vorschein gekommen und hat dir den Weg gezeigt, der nach Novalis immer der nach Hause ist?

Aus dieser Blickrichtung ist Lughnasadh eine Schwelle, an der wir innehalten können, bevor wir weitergehen. Diese Schwellen helfen uns dabei, das Leben nicht nur als immer sich drehendes Hamsterrad zu erleben, sondern (die Welt und uns) fühlend zu uns – und damit nach Hause – zu kommen.

Es hat sich eingebürgert, Lughnasadh am fixen Zeitpunkt am 31. Juli oder 1. August zu begehen. Die Kelten aber feierten ihre Feste als Mondfeste. Das Schnitterfest fiel auf den 8. Vollmond nach Jul (Wintersonnwende), das war dieses Jahr der 18. Juli. Mir selbst ging es so, dass ich ohne Nachdenken genau an diesem letzten Vollmond eben dieses Gefühl der Schwelle hatte.

Unser hektisches Leben in der spätmodernen ZUVIELisation aber lässt es oft garnicht zu, dass wir uns an einem bestimmten Datum diesen Raum geben, wenn er nicht gesellschaftlich vereinbart ist wie Weihnachten oder Ostern.
Nutzen wir einfach die zeitlichen Zwischenräume, die sich uns in dieser Zeit auftun, um diese Schwelle bewußt zu begehen und unsere äußere und innere Fülle und Ernte zu feiern.

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