Das nachfolgende Gedicht habe ich zugeschickt worden, mit dem Vermerk, es stamme aus Südafrika, eine genauere Autorenangabe gibt es nicht.
Dieses Gedicht hat mich spontan angesprochen, etwas in mir ist sofort damit in Resonanz gegangen. Das „Langsamergehen“ scheint mir ein gutes Motto für das nun gerade angebrochene Jahr zu sein. Vielleicht auch für Sie und Euch, liebe Leserinnen und Leser der Radikalen Poesie.
In diesem Sinne Gesundheit, Glück und Segen für das Neue Jahr!
Lass mich langsamer Gehen
Lass mich langsamer gehen, Gott.
Entlaste das eilige Schlagen meines Herzens
durch das Stillewerden meiner Seele.
Lass meine hastigen Schritte stetiger werden
mit dem Blick auf die Weite der Ewigkeit.
Gib mir inmitten der Verwirrung des Tages
die Ruhe der ewigen Berge.
Löse die Anspannung meiner Nerven und Muskeln durch die sanfte Musik der singenden Wasser, die in meiner Erinnerung lebendig sind.
Lass mich die Zauberkraft des Schlafes erkennen, die mich erneuert.
Lehre mich die Kunst des freien Augenblicks.
Lass mich langsamer gehen,
um eine Blume zu sehen,
ein paar Worte mit einem Freund zu wechseln, einen Hund zu streicheln,
ein paar Zeilen in einem Buch zu lesen.
Lass mich langsamer gehen, Gott,
und gib mir den Wunsch,
meine Wurzeln tief
in den ewigen Grund zu senken,
damit ich emporwachse
zu meiner wahren Bestimmung.

Foto: Honey Kochchaphon kaensen auf Pixabay