Angst und Atem
Gerhart Hauptmann, 29.3.1945
Im Zyklus des Jahreskreises kommen wir nun bei Imbolc an. Die Radikale Poesie veröffentlicht zu diesem Anlass erneut den Artikel aus dem Jahr 2024 – im Jahreskreis gibt es keine Aktualisierung, sondern Vertiefung des Bekannten in der Wiederkehr.
Ausgangs des Mittwinters merken wir, dass das Licht mehr geworden ist. Eine Stunde länger etwa sind die Tage in Mitteleuropa im Vergleicht zu Yul, der Wintersonnwende.
Nach der Überzeugung unserer alteuropäischen Ahnen hat Brigida, die Lichtbringerin, die Szene betreten.
Ilya Prigogine
Wenn ich mich in meinem privaten und beruflichen Umfeld umhöre, dann begegnen mir in letzter Zeit wiederkehrend ein großer Pessimismus und eine geringe Zuversicht. Die Menschen beteuern, dass die politischen und gesellschaftlichen Entwicklungen und die sich daraus ergebenden schlechten Aussichten daran Schuld seien. Es ist mir aufgefallen, dass ich diese Haltung bei mir selbst nicht finde. Im Gegenteil, ich entdecke in mir eine gewisse Grundzuversicht, und ich habe mich gefragt, wie ich eigentlich dazu komme. Einerseits mag dies daher kommen, dass ich die politischen Entwicklungen anders einschätze als der sogenannte „Mainstream“. Ich mache mir auch keine Sorgen um das Klima. Meine Kriegsangst ist aufgrund des Ausgangs der Wahlen in den USA deutlich gemindert.
Aber das allein ist es nicht. Und deshalb habe ich mich gefragt: aus welcher Quelle kommt die Zuversicht? Oder noch pragmatischer formuliert: was können wir tun, um Zuversicht „herzustellen“?