Kopierrechte Lothar Eder 2014

Gegen Ende des Romans „Der Mond und das Mädchen“ stoße ich auf eine kleine Textpassage, die mich an systemisches Denken erinnert. Sie lautet: „Wir lernen die Menschen eigentlich erst kennen, wenn wir ihnen in ihrem Milieu begegnen und plötzlich begreifen, daß sie mit ihren unpersönlichen Eigenschaften doch nur ein Mosaikstein sind und damit Teil eines großen Bildes“ (S. 178-79 der TB-Ausgabe)

Nun, das trifft auf den Einzelnen im Kontext seiner Familie durchaus zu. Denn unsere scheinbar so individuellen Eigenheiten können uns als Fortsetzung oder als Zitat einer Familienkultur erscheinen, wenn wir uns mit unserer Herkunftsfamilie, auch über mehrere Generationen hinweg, befassen. Sätze wie „du bist wie der Opa“ haben also durchaus ihren Sinn und ihre Berechtigung.

Es kann eine große Befreiung in dieser Art der Betrachtung liegen. Zwar verlieren wir einerseits scheinbar unsere Einzigartigkeit. Aber das Verstehen, aktueller Ausdruck eines Familiensystems zu sein, das sich gewissermaßen selbst über die Zeit fortschreibt, kann uns beim Verstehen unserer selbst helfen. Helfen bei den drei entscheidenden Lebensfragen: Wer bin ich? Woher komme ich? Wohin gehe ich? Die Rückversicherung der Herkunft hilft, ist gewissermaßen Antrieb, nun den eigenen Weg zu gehen. Mit den Menschen, die wir an unserer Seite haben.

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