Ich hatte mich ein wenig hingelegt und irgendwann muss ich eingenickt sein, denn ich hörte eine Stimme und die Stimme kam aus einem Fernseher und ich habe gar keinen Fernseher. Sie hören nun die Raunachtsansprache der neuen Bundesgesundheitsministerin Frau Dr. Verdandi Stillersee, sagte die Stimme und ich dachte noch „stiller See“, das gefällt mir viel besser als „lauter Bach“, da sprach auch schon Fr. Dr. Stillersee. Liebe Mitbürgerinnen und Mitbürger, sprach Frau Stillersee, eine freundliche Frau unbestimmten Alters, liebe Mitbürgerinnen und Mitbürger, viele von Ihnen kennen mich noch nicht. Ich bin die Nachfolgerin von Karl Lauterbach, der sich eine Auszeit genommen hat um endlich einmal zu sich zu kommen und etwas für sein Karma zu tun. Hui, dachte ich bei mir, das sind aber gute Nachrichten und schon ging es weiter.

Ich möchte Ihnen zunächst versichern, dass das Gesundheitsministerium unter meiner Leitung alles tun wird, damit wir wieder eine gute gesundheitliche Versorgung haben. Wir werden dafür auch Naturheilkunde, Homöopathie, unsere guten Heilpflanzen und auch die seelische Gesundheit mehr in den Mittelpunkt unserer Arbeit rücken. Das wird den Lobbyisten der Pharmaindustrie nicht unbedingt gefallen. Aber wir sind ja für Sie da und nicht für die Pharmaindustrie und deren Aktionäre. Holla, das gibt’s ja nicht, schoß es aus mir heraus, das ist ja … und weiter ging’s.

In den letzten Jahren, ja vielleicht sogar in den letzten Jahrzehnten haben wir uns viel zu sehr auf die Behandlung von Symptomen konzentriert und dabei außer Acht gelassen, was für Gesundheit wirklich notwendig ist: ein gutes Miteinander, menschliche Bindungen und eine Arbeitswelt, die für die Menschen da ist und nicht umgekehrt. Wir haben nun verstanden, dass es nicht vorrangig um die Bekämpfung von Krankheitserregern geht, sondern um ein gut funktionierendes Immunsystem. Natürlich liegt es an jedem einzelnen selbst, für sein und ihr Immunsystem zu sorgen. Aber wir wissen auch, dass eine Gesellschaft für Bedingungen sorgen muss, damit der einzelne gesund bleibt oder wieder wird. Wir wissen um die Rolle von Stress für die Entstehung von Krankheit und darum, wie wichtig Ruhe und Entspannung sind, damit wir gesund bleiben können.

 

 

 

 

Aus diesem Grund hat die Bundesregierung auf meine Anregung hin beschlossen, dass für die Zeit der Raunächte, also bis einschließlich 6. Januar, die Arbeit im Land soweit wie es nur geht, ruhen soll. Krankenhäuser und Notdienste sollen weiter betrieben werden, auch alles andere, was wir an Infrastruktur notwendigerweise benötigen. Die Menschen die dort arbeiten, sollen als Ersatz eine gleichlange andere Auszeit im Jahr erhalten.

 

Bleiben Sie also bis 6. Januar der Arbeit fern. Machen Sie frei. Lassen Sie den lieben Gott einen guten Mann sein, und die Erdmutter eine gute Frau. Lassen Sie sich von ihr tragen und umfangen. Schlafen, dösen, träumen Sie. Lassen Sie Ihre Ahnungen und Stimmungen zum Vorschein kommen. Pflegen Sie Gemeinschaft, halten Sie sich an den Händen, umarmen und küssen Sie, seien Sie gut zu sich. Räuchern und Meditieren Sie, so wie unsere Ahnen es vor Urzeiten bereits getan haben. Lassen Sie uns gemeinsam stille Tage und Nächte verbringen und wieder verstehen, dass es mehr gibt als Geschäftigkeit, Geld und Konsum. Es gibt viel zu tun – lassen wir es liegen bis zum 6. Januar, um dann mit neuer Kraft ins Neue Jahr zu starten.

 

Ich wünsche Ihnen besinnliche und erfüllende Raunächte!

 

Langsam kam ich wieder zu mir. Das alles war zu schön, um wahr zu sein. Aber wer sollte mich davon abhalten, heute nichts zu tun, in die Natur zu gehen, jemanden an der Hand zu halten und zu umarmen, zu räuchern und in die Stille zu gehen. Vor meinen inneren Augen sah ich Frau Dr. Verdandi Stillersee, die ich mir von Herzen als Gesundheitsministerin wünschen würde. Sie sah mich freundlich an und nickte. Ich schenkte mir noch eine Tasse Tee ein und sah hinaus auf den stillen Wald.

 

le

Fotos: pixabay

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