Über das Reisen bekomme ich aus meiner Umgebung ganz unterschiedliche Berichte. Ein Patient erzählte mir von einer vierzehntägigen USA-Reise. Allein die Angabe der doch recht kurzen Dauer rief bei mir schon Erstaunen hervor. Ja, und in dieser Zeit sei man in Las Vegas, San Francisco und Los Angeles gewesen (allesamt spanische Namen!), und dazu noch alle Nationalparks. Da blieb mir wirklich der Mund offen stehen. Verwundert bin aber nicht wirklich über dieses Tempo, denn heutzutage genügt es ja, hier und dort aus dem Bus auszusteigen, ein paar Fotos zu machen und schon hat man alles gesehen. Auf zum nächsten Ereignis.
Meine Nachbarin dagegen, aus der Schweiz stammend, besucht regelmäßig ihre Heimat im Berner Oberland. Sie gehe immer wieder die gleichen Wege. Ob das denn nicht langweilig sei, werde sie oft gefragt. Aber der Weg sei doch niemals der gleiche, sagt sie mir. Wie recht sie hat. Ähnliches kenne ich von meinen Lieblingsorten (zu denen, wie hier bereits erwähnt, La Palma gehört). Den Zauber eines Ortes, das Gefühl, das die Erde, auf der man gerade steht,  einem vermittelt, kann nur erfahren, wer lange bleibt oder immer wieder kommt.

1993 reiste Tiziano Terzani nur mit Flugzeug und Schiff durch den asiatischen Raum nach Europa und wieder zurück. In seinen Notizen über diese Reise („Fliegen ohne Flügel“) beklagt er die Zerstörung von Kulturen und Nationen durch den Druck der Modernisierung und der Globalisierung, deren Erscheinung der gegenwärtige Tourismus ist. In Laos schreibt er folgendes:

„Was für eine schreckliche Einrichtung doch der Tourismus ist! Einer der unheilvollsten Gewerbezweige! Durch ihn wurde die Welt in einen riesigen Kindergarten, in ein Disneyland ohne Grenzen verwandelt. Bald werden auch in der alten, fernen Königsstadt von Laos diese neuen Invasoren zu Tausenden einfallen, Soldaten aus dem Reich der Konsums, die mit ihren Fotoapparaten, ihren unerbittlichen Videokameras (und mit ihren noch unsäglicheren „Tablets“ und „Smartphones“, Anm. von mir) den letzten natürlichen Zauber hinwegnehmen, der hier noch überall vorhanden ist“.

Was für Laos gilt, gilt für den Tourismus generell. Diese Form des Konsums von immer neuen Eindrücken oder von Regionen „paßt“ – leider – in die Zeit. Ein modernes konsumistisches Nomadentum, das sowohl den Orten als auch den Menschen selbst die Würde nimmt.

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