Vor zwei Tagen wurde der große alte Mann der deutschen Gegenwartsliteratur 90 Jahre alt. Das literarische Werk spannt sich von Ehen in Philippsburg (1957) hin zum Letzten Rank („Statt etwas oder Der letzte Rank“, 2017).
Das Buch nennt sich zwar „Roman“, im eigentlichen Sinne aber ist es keiner. Vielmehr besteht es aus mehr oder weniger losen Überlegungen eines erzählenden Ichs, das wiederum selbst nur über die Erzählung definiert wird. Walser allerdings kommt uns nicht mit angestrengtem oder anstrengendem Geschreibsel, das mit  überintellektueller Verspanntheit die „Form sprengen“ will (oder ähnlichem Unsinn, mit dem uns manche Literaten in den 60er und 70er Jahren zu quälen wußten).

Nein, es ist ein heiterer und tiefgründiger Text. Jovial wäre das treffende Wort – die Position des Gottes Jupiter, der in heiterer Entspanntheit und gelassenem Abstand auf die Welt und sich selbst schaut.

Und da finden sich dann Sätze, die ganz dem gedehnten Blick (oder dem murky edge) entsprechen. So etwa „Zum Glück war das Bedürfnis, etwas genau wissen zu wollen, erloschen“.
Oder aber diese beiden:
„Zu träumen genügt. Unfassbar sein, wie die Wolke, die schwebt“.

Herzlichen Glückwunsch, Martin Walser! 

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