Byung Chul Han, ein aus Korea stammender und in Berlin lehrender Philosoph, der nach eigenen Angaben die deutsche Sprache so sehr liebt, hat sich an verschiedenen Stellen zum Wesen der Kunst geäußert.

So z.B. in seinem Buch Die Errettung des Schönen (2015 im S. Fischer Verlag erschienen).
Han ist bekannt für seine Kritik der Digitalisierung, des „Dataismus“, wie er sie nennt. Sie nimmt dem Menschen jede Tiefe, auch jede Negativität (die ja Gegenpol und damit Voraussetzung für das Schöne, das Wunder-Bare, das Herrliche ist); und sie entlockt ihm kein Erstaunen, kein Gefesseltsein, kein Gebanntsein mehr, sondern allenfalls ein „Like“.
So sieht er auch die Rolle der Kunst: von ihr habe eine „Stoßwirkung“ auszugehen (S. 15). Angestoßen werden ist etwas ganz anderes als die Ästhetik der digitalen Welt. Deren „Schönes“ erschöpfe sich im Gefällt-mir, schreibt Han. Sie stößt keine Wahr-Nehmung an, sondern eher ein ständiges Weitergehen-zum-Nächsten. „Sie sediert die Wahrnehmung“, so Han weiter. Damit ist sie keine Ästhetik mehr, vielmehr eine An-Ästhesierung, eine Betäubung.

Kunst aber, „wirkliche“ Kunst sozusagen, lädt zum „Verweilen am Schönen“ ein. Sie braucht das Innehalten, das Verweilen und die Langsamkeit. Denn: „Das Lange und Langsame ist die Gangart des Schönen.“ (ebda. S.91)

 

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