Einen Heimweg zu finden ist der Kern spirituellen Daseins, nein, allen Daseins

Deepak Chopra (geb. 1946) ist ein indischstämmiger US-amerikanischer Arzt und Meditationslehrer. Bekannt ist er durch zahlreiche Bücher und geführte Meditationen, die als Podcast zur Verfügung stehen. Er verbindet hierbei aktuelles Gesundheitswissen auf körperlichem und mentalem Gebiet mit Meditationen, die uns bei vielen Lebensthemen unterstützen können.

Chopra, der selbst aus der hinduistischen Tradition stammt, hat zwei, man könnte sagen, „gewagte“ Bücher geschrieben. Beides sind biografische Romane über Religionsstifter. Das eine handelt von Buddha, das andere von Jesus.

Das Zitat des Tages stammt aus dem Jesusbuch. In der Einleitung zu diesem Buch schreibt Chopra selbst, dass sein Unterfangen eine Gradwanderung darstellt und welchen Herausforderungen er sich beim Schreiben ausgesetzt sah. Der Grundgedanke ist, dass wir über die meisten Lebensabschnitte Jesu im Neuen Testament nichts erfahren, sie liegen im Dunklen. So entsteht ein statisches Jesusbild – der Messias wird geboren, es gibt ein paar Episoden aus der Kindheit und mit einem Mal ist er ein ungefähr 30jähriger Mann, der Wunder wirkt, predigt und schließlich verraten und zu Tode gefoltert wird.
Chopra nun versucht uns Jesus als einen Mann nahezubringen, der erst nach und nach seine Beziehung zu Gott und seine Aufgabe begreift, der ein Suchender ist, der Schritt um Schritt  seinen Weg in Gott sucht und findet. Einer, der erst aus der Ungewißheit heraus in die Gewißheit findet. Der immer wieder scheitert und doch mit einer unbändigen inneren Führung seinen Weg geht. So dass schließlich die Worte ICH BIN DAS LICHT absichtslos aus ihm heraus fließen und die Menschen in der tiefsten Tiefe ihrer Herzen berührt. In östlicher Sprache nennt man so jemanden einen Erleuchteten, einen Guru („der, der die Dunkelheit vertreibt“). Dies sind  Worte, die Christen in der Regel nicht gefallen. Aber sie sind womöglich geeignet, Jesus besser zu verstehen, ihn uns näherzubringen.

Denn die Suche nach einem Heimweg („das Haus meines Vaters …“) ist der Kern der Jesusbotschaft. Und diese Suche, diese Sehnsucht, steht im Kern all unseres Strebens, ob wir dies nun spirituell nennen oder auch nicht. Diese Suche findet sich beispielsweise auch in dem Wort von Novalis „Wohin gehen wir? Immer nach Hause!“.

Viele Menschen haben sich aus verständlichen Gründen von Religion und Kirche abgewandt und sind fest davon überzeugt, dass es Gott nicht gibt. Die Sehnsucht aber ist damit nicht getilgt. Im Gegenteil: sie bleibt ungestillt bestehen. Wir finden sie zum Beispiel bei Julian Barnes, der in seinem Roman „Nichts, was man fürchten müsste“ schreibt: „Ich glaube nicht an Gott, aber ich vermisse ihn“.

 

 

Worte: Lothar Eder
Bild von Radosław Cieśla auf Pixabay

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