Im Kalenderblatt des September kommen uns drei Worte aus dem Zentrum entgegen: ICH BIN FREI. Etwas in uns geht sofort in Resonanz mit diesen Worten, denn Freiheit ist ein hohes Gut, wenn nicht das höchste. Friedrich Schiller, der Arzt, stellte sie sogar über die Gesundheit.

Die grafische Gestaltung besticht durch ihren klaren und gleichzeitig spielerischen Charakter. Die entscheidenden Worte sind frei (!) gezeichnet und deutlich größer als der Rest des Zitats von Nikos Kanantzakis, dem Urheber des Alexis Sorbas.



Der von den anderen Blättern des Jahres her bekannte rote Strich findet sich verdichtet unterhalb des Textblocks. Aus ihm ist eine Linie von roten Tupfen geworden. Das Rot, das dem Feuer entspricht, ist unterhalb des Wortes, der Begriffe. Daoisten hätten ihre Freude an dieser Anordnung, denn das Feuer der Lebensenergie gehört nach ihrer Auffassung unter die Worte, das Fühlen, die Begriffe, die der Herzenergie zugeordnet sind. Der Kessel, in dem sie sich befinden, muss erhitzt werden, damit sie in freien Fluss geraten können und nicht stocken und zu innerer Leere und Sinnverlust führen.

 

Ich erhoffe nichts
Ich fürchte Nichts
Ich bin frei

 

Freiheit meint hier also nicht eine äußere Verfassung oder Ordnung der Dinge und Verhältnisse, etwa die politische und gesellschaftliche Sphäre, die uns umgibt. Sie meint eine innere Verfassung, die sich davon unabhängig macht. Die Worte von Janis Joplin – freedom is just another word for nothing left to loose – weisen in diese Richtung.

Mehr aber noch finden wir sie in der Weisheit des Ostens. Z.B. in den täglichen Gebeten und Anrufungen des tibetischen Buddhismus:

 

Mögen alle Wesen das Glück und die Ursache des Glückes haben
Mögen sie frei sein vom Leid und der Ursache des Leids
Mögen sie in großem Gleichmut verweilen
Frei von Anhaftung an das was sie mögen und Abneigung gegen das was sie nicht mögen


Der Grabspruch von Kanantzakis mahnt uns also, unsere innere Haltung zu überdenken und zu kultivieren. Gerade in einer Zeit, in der Gewalt, Spaltung, Angst und Ohnmacht größer werden, kann er uns Orientierung und Erinnerung sein. In uns gibt es einen Raum, zu dem niemand Zugang hat außer wir selbst. Diesen Freiraum stets aufs neue zu gestalten und zu pflegen ist vielleicht ein Baustein für ein gutes Leben.



Kalligrafie: Hans Neidhardt
Worte: Lothar Eder




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