Das Paradies ist für die meisten Menschen allenfalls eine Wunschvorstellung. Ich kann von mir sagen, ich bin dort gewesen.

Tatsächlich hatte ich nach meinem Besuch 2018 auf der Finca von Barbara und Erich Graf das Gefühl, im Paradies gewesen zu sein.

Das mehrere Hektar große Areal der Finca Autarca liegt im Nordwesten der Kanareninsel La Palma. Barbara und Erich kauften die abgewirtschaftete Avocadofinca im Jahr 2007. Die Bäume waren so gut wie tot, ebenso die Erde. Man muss wissen, dass La Palma große Höhendynamiken aufweist und dass Ebenen auf der Insel eher die Ausnahme sind. Starke Hanglagen finden sich auch im Nordwesten der Insel, in der Gegend von Tijarafe, dort wo Barbara und Erichs Finca liegt.

Die abschüssige Lage vieler Grundstücke auf der Insel führt zusammen mit dem Raubbau zu einer starken Verschlechterung der Bodenqualität. Die Humusdecke wird immer kleiner und verschwindet letztlich ganz, sodaß ständig gedüngt werden muss, und das auch noch mit organischem Dünger. Zudem findet in Hanglagen, wenn sie nicht terrassiert oder durch sog. swails strukturiert werden, das Regenwasser „keine Heimat“. Es schießt einfach nach unten und schwemmt den Boden kontinuierlich aus.
Die Permakultur setzt es sich zur Aufgabe, den Platz zu heilen, an dem man ist, damit der Platz einen selbst heilt. In der Ganzheit können wir selbst ganz werden. Die wichtigste Aufgabe hierbei ist, das Leben wieder einzuladen und ihm eine Heimat zu bieten. Dazu gehören der Humusaufbau und die Gestaltung der Landschaft, sodaß das Wasser, Mikroorganismen, Würmer, höherentwickelte Tiere und Pflanzengemeinschaften, die sich gegenseitig unterstützen, ein Zuhause finden.

So bildet die Natur, wenn wir sie lassen und sie unterstützen, komplexe Netzwerke und einen Reichtum an Leben, den wir als Paradies empfinden. Diese Komplexität kann der Mensch nicht erfassen. Wenn er es für sich beansprucht, überschätzt er sich und führt Katastrophen herbei. Leider führen die zerstörerischen Erfahrungen der Umwelt- und Seelenzerstörung, die wir durch patriarchale Strukturen, Industrialisierung und Leistungsgesellschaft bewirkt haben, nicht zu Einsicht und Umkehr.

Im Gegenteil: durch übermäßigen Reichtum an die Macht gekommene Oligarchen wollen die vollständige Kontrolle über den Menschen, die Natur und den Himmel. Bill Gates will sogar die Sonne verdunkeln, um angeblich das Klima zu retten. Das Weltwirtschaftsforum, geführt von Klaus Schwab, will den Transhumanismus herstellen – ein Mensch soll dabei herauskommen, der Chips im Körper trägt und mit Computern vernetzt ist. Einer der Hauptvordenker des WEF, Yoval Noah Harari, spricht dem Menschen gar eine Seele ab. Er befürwortet die Not, welche durch die Coronakrise, Krieg und wirtschaftliche Verwerfungen entstanden ist, denn sie böte die Chance, Veränderungen herbeizuführen, zu denen Menschen in sicheren Zeiten nicht bereit wären.
Wie abgespalten von sich und der Natur müssen Menschen sein – wir sprechen hier von schizoiden, psychopathischen und rigiden Charakterstrukturen – um einen derartigen Irrsinn zu planen? All dies erinnert an die Endzeit, die im Alten Testament angekündigt wird.

Barbara Graf hielt unserer Besuchsgruppe eine Handvoll Humus hin und klärte uns auf, dass darin sich ebensoviele Lebewesen befinden wie es Menschen auf der Erde gibt. Wer das begreift, bekommt eine Ahnung davon, dass der Mensch die Natur nicht beherrschen, sondern allenfalls „kapieren und kopieren“ kann.

Wir wurden auf ein Areal am Rande der Finca geführt, dass die beiden frisch dazubekommen hatten. Ein abschüssiges Stück Hang mit staubiger, toter und rötlich gefärbter Erde. Gleich daneben ein Bereich der Finca, das vor drei Jahren noch ähnlich ausgesehen hatte – und sich zu einem lebendigen Waldgarten verwandelt hat. Lebendige, kräftige Pflanzen, solche, die Nährstoffe sammeln und daneben essbare. Zwischendrin Naturteiche und überall im Gelände sind Hühner und Enten unterwegs. Der Ziegenbock John (Lennon) allerdings muss in seinem Gehege bleiben, sonst würde er zuviel Schaden anrichten.

Was ist das Paradies?

Was ist das Paradies? Ein Ort des Lebens, der Vitalität. Ein Ort mit einer lebendigen Vielfalt von Pflanzen und Tieren. Ein Ort, an dem es reines, sauberes Wasser gibt. Ein Ort, in dem das Leben zirkuliert und pulsiert. Ein Ort, der unserem Ursprung, den lichten Wäldern, nahekommt. Der uns nährt und uns Heimat gibt. And we’ve got to get ourselves back to the garden sang einst Joni Mitchell in ihrem Lied Woodstock.

Das Paradies, das ist ein Garten. Ein Waldgarten, in dem der Mensch eine fürsorgende und pflegende Rolle einnimmt. Und der Garten belohnt ihn seinerseits mit Fürsorge und Pflege, und dem Gefühl eines tiefen Ankommens in der Welt und bei sich. Deshalb sprechen wir von Mutter und nicht von Vater Natur.

Seit 2018 versuchen wir, meine Frau und ich, unser Stück Land in diese Richtung zu kultivieren. Es begann mit einer wahren Orgie von Hochbeetbauten, Kompostierung und Versuchen, Terra preta herzustellen. Letztes Jahr sind wir aus der Stadt aufs Land gezogen, östlich von Heidelberg. Dort, in der neuen Heimat, gibt es nun ein größeres Grundstück. Es hat eine nach Westen ausgerichtete Hanglage, bietet also eine optimale Sonneneinstrahlung. Ein Teil von funktionierender Infrastruktur war bereits vorhanden. Aber es mußten Komposter gebaut und Terrassen angelegt werden. Die Erde war zum größten Teil degradiert und wir haben mit den ersten Heilungsversuchen begonnen – u.a. durch Einbringen von Mikroorganismen in die Erde. Zwei Kraterbeete und zwei Hochbeete wurden angelegt, dazu einige bodengleiche Beete, in denen wir unser Glück mit Tomaten, Paprika, Kartoffeln, Erbsen, Kohl und Bohnen versuchen. Ein kleiner Waldgarten ist in Vorbereitung.

Und der bereits vorhandene Stall mit Freigehege beherbergt seit einigen Wochen 10 Hühner, die den Weg aus der Legebatterie statt als Suppenhuhn im Topf in ihre neue Heumat bei uns gefunden haben. Es ist eine Wohltat, anzusehen, wie sich diese traumatisierten Tierchen, die stellenweise keine Federn mehr hatten und die noch nie in ihrem Leben Tageslicht geschweige denn einen Platz zum Scharren erlebt hatten, erholen und von Tag zu Tag lebendiger werden.

Den Impuls für all das haben wir aus La Palma mitgebracht von unserem Besuch auf der Finca Autarca. Heute feiert dieses wundervolle Projekt von Barbara und Erich Graf seinen 15. Geburtstag und die Radikale Poesie gratuliert sehr herzlich!

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