Letztens habe ich bei der Lektüre eins Romans eine für mich besonders schöne Schilderung von unterschiedlichen Arten, ein Gespräch zu führen, gelesen.
Die Stelle fand ich in einem Roman von Hanns-Josef Ortheil, der ein großer Liebhaber der italienischen Lebensweise ist.
Er beschreibt die Art und Weise wie die Einwohner des fiktiven Städtchens Mandlica auf Sizilien miteinander sprechen und vergleicht dies mit der ihm bzw. dem Icherzähler vertrauten nordischen (deutschen) Art und Weise, Gespräche zu führen.

Der Icherzähler des Romans berichtet, wie die Ströme des Miteinander-Erzählens der Menschen im Ort schon morgens beginnen. Wie das Sprechen anschwillt und zu rauschen beginnt; und dass es dabei wenigerdarauf ankommt, was erzählt wird sondern vielmehr das miteinander Erzählen den Kern bildet, um den sich alles dreht.


Der Inhalt ist zunächst nicht wichtig, viel wichtiger ist, dass das gegenseitige Reden sich langsam verstärkt und anschwillt.

„So ein Reden und Gegenreden ist durch und durch rhetorisch. Der Inhalt ist zunächst nichtig, viel wichtiger ist, dass das gegeneitige Reden sich langsam verstärkt und anschwillt. Dabei ist auch von Bedeutung, dass sich die Gesprächspartner nicht laufend widersprechen (wie das in eher nördlichen Ländern beinahe zu einer fatalen, letztlich gesprächshemmenden Mode geworden ist), sondern sich eher in der Rede bestärken (Widerspruch wird zumeist vorsichtig, als zögernde Frage, als Annäherung oder als Nachfrage artikuliert, während das Bestärkern und Zusprechen eine unterstützende, anheizende und aufhellende Funktion hat.)

Gutes miteinander Reden und Sprechen hat dadurch etwas Helles, Klingendes, Freundliches, Verlockendes, manchmal sogar dezidiert Albernes. Es hört sich an wie ein immer flotter, leichter und brillianter werdendes Duett, mit kurzen Rezitativen beiderseits.
Die Sprechthematik trällert, windet sich in die Höhe, ruht sich aus in den Tiefen, legt wieder los, holt Luft, wird hektisch und nervös, fast bis zur Besinnungslosigkeit. Dieser Hektik und Raschheit lässt sie immer weiter ausholen, als müsste sie die halbe Welt neu erzählen. Bald fallen von allen Seiten schwere Themenbrocken ins Reden, werde unwirsch beiseite gestoßen, rühren sich von selbst wieder, kollern umher und werden schließlich doch noch in Angriff genommen (der Tod eines nahen Menschen, ein Verkehrsunglück, die Taufe der Nichte … also sowohl negativ wie positiv besetzte, schwerwiegende Ereignisse):“

Quelle: Hanns-Josef Ortheil. Das Kind das nicht fragte.
Beitragsfotos: frei verfügbar von pixabay

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