Der amerikanische Philosoph und Ökologe David Abrams zählt für mich derzeit zu den faszinierendsten Denkern und Autoren unserer Zeit. Sein Buch Im Bann der sinnlichen Natur geht der Frage auf die Spur, wer wir eigentlich sind. Trotz allen Fortschritts, aller Technik und aller rosigen Zukunftsverheißungen wirken die heutigen Menschen bedrückt, gehetzt, nicht bei sich und irgendwie wie aus der Welt gefallen.
Und genau diesem Aus-der-Welt-gefallen-Sein widmet sich David Abrams. Und er zeigt uns einen Weg raus, zumindest eine Richtung. Wie macht er das? Indem er uns zu den Wurzeln der Trennung zurückführt. Denn mit all der Technik und all den Versuchen der rationalen Natur- und Weltbeherrschung haben wir uns entfernt von unserem Ursprung – dem Eingebundensein in die Natur. Dadurch haben wir eine Entfremdung von einem ursprünglichen Bewusstsein entwickelt, dass wir nämlich Teil des Flusses des Lebendigen sind. Und dass wir durch Öffnung unserer Wahrnehmung jederzeit wieder in diesen Fluss eintreten können.
Das nachfolgende Video soll einen kleinen Einblick in David Abrams Naturphilosophie geben. Es ist zwar in Englisch, aber einigermaßen gut zu verstehen, wie ich finde.
Ich denke, dass diese an der Wurzel ansetzende ökologische und damit radikal poetische Weise des Denkens und Fühlens ein wichtiger Impuls ist, wie wir die Krise der menschlichen Gesellschaften und des natürlichen Gleichgewichts überwinden können.
Das Buch selbst ist auch für Leser, die es gewohnt sind, anspruchsvollere Texte zu lesen, eine Herausforderung. Adams geht an die Wurzeln der menschlichen Philosophie, allen voran zu Platon, und das ist keine leichte Nachtlektüre. Doch er zeigt auf beeindruckende Weise, wie Verschriftlichung und Rationalität uns in die Trennung geführt haben und dass Platon selbst bewusst war, welche Gefahren mit der Verfertigung seiner Texte verbunden war.
Für diejenigen, die keine akademischen Texte lesen wollen, gibt es vielerlei Interviews und Podcasts mit David Abram. Er vermag es, durch seine lebendige und kraftvolle Art seine Sichtweisen auf eine entspannte unakademische Art wiederzugeben.
Und sicherlich werden uns seine wichtigen und tiefgehenden Impulse hier auf der Radikalen Poesie noch weiter begleiten.
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