Beschleunigung und Beziehung: Jacques Tati

Es ist ein Film aus einem anderen Zeitalter. Ein Zeitalter, in dem Effizienz noch nicht das Maß aller Dinge war. In dem das Gute noch gut genug war und nicht das Bessere zum Feind hatte. Und in dem Zeit war für das Pflegen auch alltäglicher Beziehungen.

Der Schauspieler und Regisseur Jacques Tati war ein charmant-kreativer Kritiker des sogenannten Fortschritts – wohin schreiten wir eigentlich, wenn wir fort-schreiten? Er erfand zahlreiche Figuren, die uns mit ihrer unbestechlichen Komik die Absurdität des Alltags und eines vermeintlichen Fortschreitens vor Augen führen. Gesprochen wird wenig in diesen Filmen. Dafür leben sie von der Gestik und von Geräuschen, ein Stilmittel, das Tati durchgehend verwandte.

„Rapidité“ ist das Zauberwort, das den Briefträger Francois beim Anschauen eines amerikanischen Filmes über das moderne Postwesen befällt. Und so verfällt er auf seinem Postfahrrad dem Rausch von Geschwindigkeit und Effizienz. Der Plausch mit seinen Mitmenschen bleibt dabei natürlich auf der Strecke.

Und genau dies finden wir ja in unserer „schönen neuen Welt“ tagtäglich: keine Zeit, keine Entspannung und zerstörte soziale Bindungen. Und Jacques Tati vermochte es wie kaum ein anderer, uns diese Absurdität auf derlei amüsante Weise vorzuführen.

Die Tiefendimension der Unerheblichkeit – Wilhelm Genazinos neuer Roman „Kein Geld, keine Uhr, keine Mütze“

Der neue Genazinoroman ist wie die vorhergehenden. Ein entwurzelter Mann ohne Beruf und Perspektive schlafwandelt durch sein Leben und beobachtet Alltagsphänomene im Außen und Innen. Jedoch ist es stets faszinierend, wie es Genazino immer wieder aufs Neue gelingt, scheinbar banalen seelischen Abläufen eine Tiefe zu geben.
Die tiefere Einbettung Weiterlesen

Worte zum Tag

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Aus der Serie „Studien über ein Fenster“ © Lothar Eder 2018

„Die Konsum- und Freizeitgesellschaft weist eine besondere Zeitlichkeit auf. Die überschüssige Zeit, die sich einer massiven Produktivitätssteigerung verdankt, wird mit Ereignissen und Erlebnissen gefüllt, die flüchtig und kurzfristig sind.“
Byung Chul Han, Duft der Zeit, S. 93

Do what you like – Tu was dir gefällt

 

 

Nach der Auflösung von CREAM gründeten Eric Clapton und Ginger Baker im Jahr 1969 zusammen mit Steve Winwood und Ric Grech die Gruppe „Blind Faith“. Sie spielten gewissermaßen nur einen Sommer.

Heraus kam dabei aber ein Album, das meiner Meinung nach zu den schönsten der Rockgeschichte zählt. Es nennt sich wie die Gruppe – Blind Faith.

Jeder Titel des Albums ist voller lyrischer Kraft. Und „Tu was dir gefällt“ war in gewisser Weise auch ein programmatischer Titel für die damalige Zeit.

Hier eine Liveversion des Stücks:

 

Worte zum Tag

Fenster RattenbergMai2018
Aus der Serie „Studien über ein Fenster“© Lothar Eder 2018

Und schreib getrost: Am Anfang war die Tat! Und vergiß nicht die richtige Betonung: Am Anfang war die Tat; denn alle höhere Entwicklung wird vom Willen zur Faulheit geleitet.
Georg Simmel

 

Worte zum Tag

Fenster Rattenberg Juni2018
Aus der Serie „Studien über ein Fenster“ © Lothar Eder 2018

 

 

„Wir verallgemeinern zuviel, zu hastig durchstoßen wir die Fülle der Erscheinungen mit einigen Formeln. Aber je allgemeiner wir werden, desto leerer werden wir, und im großen Ganzen den Umriß des Einzigen, Unwiederholbaren zu wahren, das ist das schwierige Geheimnis“
Wilhelm Lehmann, Bukolisches Tagebuch 1929