Wenn wir die Zeichen zerstören, verlieren wir die Orientierung. „Die große Stille“ heißt der Film, in dem dieser Satz vorkommt. Eine Dokumentation, gedreht in einem Kloster der Kartäuser. Ein Schweigeorden. Stille. Welch große, sanfte Macht. Viel zu laut ist unser Leben, dies denke ich beim Ansehen des Films. Viel zu schnatterig, zerstreut. Voller vermeintlicher Wichtigkeiten. Ein wenig beneide ich die Einfachheit, das Geregelte des Lebens der Mönche. Von außerhalb der Welt auf sich, das Leben und die anderen schauen. Mit großem Abstand, mit weitem Verständnis für das Menschliche. Wie das Betrachten der ziehenden Wolken. So müßte ein Leben sein.

(Und meine Mitbetrachter im Kino, etwa achtzig Personen, sind wie ich gefangen von diesem Film. Und still zweieinhalb Stunden lang. Kaum ein Rascheln, niemand wickelt Bonbons aus oder Schokoriegel).

(2006)

 

 

Foto: Pixabay

2 Gedanken zu “Mein (un)poetischer Alltag: Die große Stille

  1. An 2006 erinnere ich mich gern, an das kleine Kino an der Bergstraße, an den Lärm nach der „Großen Stille“ und es hört nicht auf zu lärmen und immer wieder die Suche nach Stille.
    Danke für die Einsprengsel, die für einen Moment Stille in den manchmal lärmenden Büroalltag bringen.
    Gabi Reichert

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  2. Manchmal erlebe ich mich als gereizt und angespannt. Zuerst wusste ich nicht warum dies so ist. Doch eines Tages fiel mir auf, dass es immer dann gehäuft auftritt, wenn ich in einer lauten Umgebung war.

    Wenn man mal von einem tosenden Wasserfall oder der Meeresbrandung absieht, dann tritt Lärm in der Natur recht selten auf. Ein Waldbrand macht viel Lärm – und ist gefährlich. Verständlich, dass wir Menschen in einer lauten Welt keinen Frieden finden können, oder?

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