Es gibt für einen selbst Lieder, deren Klang und deren Reiz über Lebensperioden und Jahrzehnte hinweg klingt. Zeitlos gewissermaßen.

In diesem Fall ist es ORLÉANS von David Crosby, aus seinem Album If I could only remember my name (Wenn ich mich nur an meinen Namen erinnern könnte) aus dem Jahr 1971. Es war Crosby’s erstes Soloalbum nach den Jahren bei den Byrds und in der Formation mit Stephen Stills, Graham Nash und teilweise auch mit Neil Young.

Das Album ist ein Markstein seiner Zeit, den späten 60er und frühen 70er Jahre an der US-amerikanischen Westküste. Es weht der Wind der Freiheit und der Weite. Leichtigkeit, Harmonie und Atmosphärisches kommen einem beim Anhören der Platte entgegen. Und sie führt in seelische Tiefen, weshalb If I could only remember my name gelegentlich unter der Rubrik „Psychedelisch“ läuft. Es war eben die Zeit, in der alles möglich schien und in dem die Psychonautik Hochkonjunktur hatte. Dies wird unterstützt durch die Räumlichkeit des Klanges, der durch Halleffekte erzeugt wird. So entsteht die Anmutung, wir befänden uns in einer Kathedrale. Es bildet sich ein sphärischer Klang, der uns fast in andere Regionen entführt. Und wie man Herrn Crosby kennt, hat damals womöglich auch das eine oder andere stimmungsverbessernde Stöffchen eine Rolle gespielt, was die schöne Wirkung des Stückes aber in keinster Weise schmälert (auch Beethoven hat, so wird berichtet, eine Reihe seiner Kompositionen unter hochdosierter Rotweinzufuhr verfaßt).

Das Lied ist ein traditioneller Gesang aus Frankreich. Es stammt aus dem 15. Jahrhundert und erinnert an die Zeit des 100jährigen Krieges zwischen England und Frankreich. Während dieser Zeit bestand das französische Reichsgebiet teilweise nur noch aus den Städten Orléans, Beaugency, Cléry und Vendôme. Die Aufzählung dieser vier Städtenamen sind der Text des Liedes: Orléans, Beaugency, Notre Dame de Cléry, Vendôme.
Die Glockenspiele der Kirchen von Beaugency und Vendôme spielen in Erinnerung an die damalige Zeit dreimal täglich die Melodie von Orléans. 

Interessierte finden weitere Informationen hier: Orléans Entstehungsgeschichte

Statt weiterer Worte hier nun die Klänge:

 

 

Beitragsbild: BUENAVISTA II (© Lothar Eder)

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google Foto

Du kommentierst mit Deinem Google-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s

This site uses Akismet to reduce spam. Learn how your comment data is processed.