Es wird lange brauchen, bis man erkennt, dass die Natur alle Experimente schon gemacht hat

Gottfried Hertzka (1913-1997) ist der Begründer der sogenannten Hildegardmedizin. Hildegard von Bingen, die weise heilige Frau aus dem 12. Jh. n. Chr., hat zahlreiche Schriften hinterlassen, die wir heute naturheilkundlich nennen würden. Da ihr nach eigenem Bekunden alle ihre heilkundlichen Abhandlungen und Rezepturen von Gott eingegeben wurden, nannte Hertzka sein erstes Buch folgerichtig „So heilt Gott“.

Hertzka stammte aus einer eingesessenen Arztfamilie und wurde selbst Arzt. Er arbeitete als Landarzt u.a. in Bayern. 1944 erfuhr er von den Euthanasiepraktiken der Nationalsozialisten. In einer einzigen Nacht las er Adolf Hitlers „Mein Kampf“, so wurden ihm die wahren menschenverachtenden Absichten der NS klar. Am nächsten Morgen hängte er das Portrait Adolf Hitlers in seiner Praxis ab und ersetzte es durch ein Kreuz.

Er wurde angezeigt und bis zum Kriegsende in ein KZ verbracht. Dort begegnete er einem Pater, der ihn in die tiefe christlich-spirituelle Praxis einwies.  Seine Haft dauerte 9 Monate; solange wie eine Schwangerschaft, sagte er selbst. Für ihn war es eine spirituelle Schwangerschaft und ein Neugeborenwerden. Somit ist er im ursprünglichen Sinne ein Renatus oder René, ein Neugeborener.
Hertzka suchte nach dem Krieg nach einer Medizin, die Körper, Seele und Geist verbindet. Er fand sie bei Hildegard von Bingen und widmete sich fortan der „Hildegardmedizin“, wie er sie nannte.

Das Zitat verweist uns auf eine grundsätzliche Haltung zur Welt, die heutzutage fast ausgestorben ist. Wir glauben als heutige Menschen nur noch, was die Wissenschaft uns belegt. Hertzka macht uns mit seinem Satz deutlich, das wir bereits das Ergebnis einer unendlich langen Experimentalreihe sind, welche im Werdensprozess von Welt, Natur und Mensch stattgefunden hat. Will sagen: alles was wir brauchen, um gesund und wohl zu sein, ist bereits da.

Gerade in der aktuellen Coronakrise ist dies von besonderer Bedeutung: beruht doch das Streben nach Bekämpfung des Virus und der Glaube, dass allein ein Impfstoff helfe, auf einer Glaubenshaltung, derzufolge wir Menschen von der Natur getrennt und zudem die Natur unser Feind sei.

Hertzkas Zitat erinnert uns daran, dass das Gegenteil der Fall ist: Wir sind nicht nur Teil der Natur, wir sind Natur. Und die Natur hält alles bereit, was wir benötigen. Die heute vorherrschenden atheistischen Glaubenbekenntnisse gegenüber der Heilslehre von Wissenschaft und Technik führen uns in die Irre. Wir brauchen, so Hertzka (und hier entdecken wir Parallelen zu Heidegger, Schopenhauer, Eisenstein und vielen anderen) eine „Rückführung auf das Menschenmaß“.

Folgerichtig schreibt er an anderer Stelle: „Wo das Experiment, also der Mensch anfängt, hört die Natur auf. Eine Tulpe läßt sich nicht nachmachen, wohl aber ein Experiment“.

 

 

 

Text: Lothar Eder
Bild von soneji auf Pixabay

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