in seinem neuen Buch Tanz der Täuschung wählt Wolf-Dieter Storl in gewisser Weise eine ethnomethodologische Sicht auf unseren westlichen Zeitgeist. Er tut dies, indem er aus der Sicht der indischen Kosmologie einen oder vielmehr viele Blicke auf unsere Kultur wirft.
Es ist für mich kein Buch, das man auf einmal durchliest. Vielmehr schlage ich es dann und wann auf, lese einen Abschnitt oder ein Kapitel und bin jedesmal erstaunt über die Tiefe seiner Betrachtungen, die ohne jede akademische Gespreiztheit daherkommen.
Der Hunger nach Sinn nennt sich ein kurzes Kapitel in diesem Buch. Und darin heißt es: „Mit der naturwissenschaftlichen Methode lässt sich die materielle Welt bestens erforschen., darin besteht kein Zweifel. Ohne sie hätten wir weder Smartphones noch Satelliten, weder E-Bikes noch Glühbirnen. Aber der Sinn lässt mit dieser Methode nicht ermitteln. Alle verkörperten Wesen – Mineralien, Tiere, Pflanzen – haben einen geistigen Sinn, sie sind geistgefüllt, oder in anderen Worten, in ihnen leben „Geister“. Es sind diese „Geister“, die für den Schamanen das Wesentliche sind.

Diese Blindheit der heutigen reduktionistischen Ideologie
Es ist gerade die Blindheit der heutigen reduktionistischen Ideologie, die den Zugang zu unserer innewohnenden SPiritualität verbaut und unwillkürlich Tor und Tür für allerlei Pseudo-Spiritualität öffnet. Wir erkennen kaum mehrden Unterschied zwischen Wahnsinn und Psychose einerseits und einem wahrhaft erweiterten, schamanischen Bewusstsein andererseits.
Die Menschen hungern nach Sinn. Die egoistische Steigerung der Lust durch Konsum, durch Drogen oder einer, von der Fortpflanzung abgekoppelten, hedonistischen Fleischeslust können nicht alleiniger Lebenssinn sein; auch nicht das Anhäufen von Geld und Macht, das Verlangen nach Sicherheit oder das ängstliche Vermeiden von Schmerz.
Endlose Unterhaltung kann ebenfalls nicht über die Leere hinwegtäuschen. Und so können gewiefte „Scharlamanen“, sogenannte Plastik-Schamanen und Scharlatane, mit den seelisch verhungerten Menschen Geschäfte machen und dabei noch ihr eigenes Ego aufplustern.“
Quelle: Wolf-Dieter Storl (2025); Tanz der Täuschung, Gedichte und Geschichten über das Leben.
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