
Unpoetisch: Selfie
Poetisch: Portrait
Unpoetisch: Wellness
Poetisch: Wohlbefinden
Unpoetisch: Techno
Poetisch: Musik

Unpoetisch: Selfie
Poetisch: Portrait
Unpoetisch: Wellness
Poetisch: Wohlbefinden
Unpoetisch: Techno
Poetisch: Musik
„Was schaffen die Wiederholungen? Das Sichaufrechterhalten, damit Platz für die Seele ist“ (Peter Handke, Gestern unterwegs).

Gegen Ende des Romans „Der Mond und das Mädchen“ stoße ich auf eine kleine Textpassage, die mich an systemisches Denken erinnert. Sie lautet: „Wir lernen die Menschen eigentlich erst kennen, wenn wir ihnen in ihrem Milieu begegnen und plötzlich begreifen, daß sie mit ihren unpersönlichen Eigenschaften doch nur ein Mosaikstein sind und damit Teil eines großen Bildes“ (S. 178-79 der TB-Ausgabe)
Nun, das trifft auf den Einzelnen im Kontext seiner Familie durchaus zu. Denn unsere scheinbar so individuellen Eigenheiten können uns als Fortsetzung oder als Zitat einer Familienkultur erscheinen, wenn wir uns mit unserer Herkunftsfamilie, auch über mehrere Generationen hinweg, befassen. Sätze wie „du bist wie der Opa“ haben also durchaus ihren Sinn und ihre Berechtigung.
Es kann eine große Befreiung in dieser Art der Betrachtung liegen. Zwar verlieren wir einerseits scheinbar unsere Einzigartigkeit. Aber das Verstehen, aktueller Ausdruck eines Familiensystems zu sein, das sich gewissermaßen selbst über die Zeit fortschreibt, kann uns beim Verstehen unserer selbst helfen. Helfen bei den drei entscheidenden Lebensfragen: Wer bin ich? Woher komme ich? Wohin gehe ich? Die Rückversicherung der Herkunft hilft, ist gewissermaßen Antrieb, nun den eigenen Weg zu gehen. Mit den Menschen, die wir an unserer Seite haben.
„Es war etwas geschehen […]. Ein gesunder, junger Mensch stellt sich Veränderungen des Lebens stets als äußeres Ereignis vor: ein neuer Beruf, eine neue Liebe, ein großer Erfolg, neue Menschen, eine neue Stadt, ein neues Land. Wer klug ist, mag hier auch allfälliges Unglück in Rechnung ziehen, denn wir bewegen uns auf dünnem Eis, unsere Schritte erzeugen ein Knistern, das der Lebenserfahrene hören kann, der Bruch der Eisdecke eines Tages ist das zu Erwartende. […] Ein philosophischer Augenblick war das, wenn man es recht bedachte und seine Schlüsse daraus zog. Solche Einbrüche hinzunehmen und gar anzunehmen und zu überwinden, wurde vom erwachsenen Menschen erwartet. Das Scheitern aller Pläne war immer mit einzurechnen.“
Martin Mosebach, Der Mond und das Mädchen, S. 89-90

EL TIME II (2017) © Lothar Eder 2017
„Das neue Bild von einer Karriere – nicht wie einstmals, die übertragene Tätigkeit immer besser zu verstehen und immer vollkommener zu durchdringen, bis man Meister geworden war, sondern jede Beschäftigung nur als Übergang, nur als Sprungstein für eine ganz andere zu begreifen …“
Martin Mosebach, Der Mond und das Mädchen, S. 17-18 der TB Ausgabe.
Fällt einem da nicht gleich das berühmte Zitat aus Schillers „Glocke“ ein – „Der Meister darf die Form zerbrechen, mit weiser Hand, zur rechten Zeit“?
Der Satz aus dem Roman von Martin Mosebach spricht ein Charakteristikum unserer Zeit an: den Menschen im Hamsterrad, das Unstete, das „In-Bewegung-bleiben-müssen“, die Verluste von Ort und Zeit. „Weiter, immer weiter“, heißt mit Oliver Kahn die Devise der Gegenwart.
Es in einer Tätigkeit zur Meisterschaft zu bringen, bedeutet eine andere Form des Weiterkommens. Sie ist nicht geprägt von Hetze, sie kennt die Gegenwart, das Verweilen, im Gegensatz zum ständigen Fortkommen. Sie ist ganz DA, ohne den Gedanken an ein Weiterkommen. Das DA-sein blickt zum Horizont, aber es muss nicht gleich in Sportkleidung darauf zulaufen. Es kann in seinem Zentrum bleiben, das es vorher ausgebildet hat.
Das Vergnügen des Versäumens: „Er beschloß, den Zug zu versäumen, zu seinem Vergnügen“ (Peter Handke, Gestern unterwegs, S. 362)

EL TIME (2017)
Die „Seestücke“, also Gemälde und Fotografien (= Stücke) vom Meer, haben in der Landschaftsmalerei und -fotografie eine lange Tradition.
Hier ist ein Beispiel meiner eigenen Versuche am Thema. Die Experten werden natürlich gleich erkennen, aus welcher „Schule“ das Bild kommt.
Das Foto zeigt eine Meeresoberfläche im Abendlicht, aufgenommen aus der Höhe am „El Time“ auf La Palma. Es ist digital aufgenommen und in S/W konvertiert, da sich erst aus dem Kontrast der reinen Lichtwerte der eigentliche Reiz der Aufnahme ergibt. Zudem finde ich, obwohl ich viele Farbfotografien im Portfolio habe, dass nach wie vor S/W die „hohe Schule“ der Fotografie ist.
Es ist Teil einer Serie, die ich in den nächsten Jahren ausstellen zu können hoffe.
Vor kurzem ist der aktuelle Band von „Internationale Kunst Heute“ erschienen. Er wird herausgegeben von der Künstlerin und Kunstmanagerin Martina Kolle und der Kunsthistorikerin Dr. Ingrid Gardill.
Es finden sich darin 127 Künstler aus 74 Ländern aus den Bereichen Malerei, Grafik, Skulptur und Fotografie. Herausgekommen ist dabei ein hochwertiger Kunstband mit einer großen Bandbreite künstlerischer Wege zur Welt, zu sich, zu …
Die Texte von Ingrid Gardill bestechen durch ihre Einfühlung in die einzelnen Werke, ihren Kenntnisreichtum und die Fähigkeit, dies in wenigen Worten auf den Punkt zu bringen.
Mehr dazu findet sich unter:
http://internationalekunstheute2017.de
Ich bin sehr froh und auch ein wenig stolz, daß ich in den Kreis der erwähnten Künstler aufgenommen wurde. Den Beitrag über meine Fotografie findet man hier:
http://www.internationalekunstheute2017.de/#100
Das Buch ist für 49,- € erhältlich bei http://internationalekunstheute.de
Lothar Eder

BACHSTÜCKE | BROOKSCAPES
FOTOGRAFIEAUSSTELLUNG MUSEUMSSCHEUER DOSSENHEIM
Herzliche Einladung zur Vernissage am So. 7.5.2017 11.30h
Ausstellungsdauer: 7.5.-17.9.2017
Ort: Museumsscheuer Dossenheim, Rathausstraße 47, 69221Dossenheim
Öffnungszeiten: jeden 3. Sonntag im Monat 15-17h und nach tel. Absprache (fast) jederzeit: 06221-864561 oder 0171-5888958
Veranstalter: Kommission Kunst Dossenheim
Weitere Informationen: http://www.eder.photography
Unpoetisch: Tscheijntsch (Change)
Poetisch: Veränderung, Übergang
Unpoetisch: Breijk (Brake)
Poetisch: Pause, Innehalten, Verweilen
Unpoetisch: Rollrasen
Poetisch: Wiese
Unpoetisch: Mails checken
Poetisch: Briefe öffnen