Neulich war ich im Biomarkt und stand vor dem Regal mit dem Knabberzeugs. Und was sehen meine Augen: eine Tüte „Studierendenfutter“. Daneben entdeckte ich von einer anderen Marke ein „StudentInnenfutter“. Und da noch ein „Student*innen_futter“. Da sahen meine trüben Augen eine Packung mit „Studentenfutter“. Ich nahm sie erleichtert in die Hand und las mir das Kleingedruckte auf der Packung durch. Da stand, dass sich die Firma entschlossen habe, aus Geschlechtergerechtigkeitsgründen, monatlich wechselnd, einmal die männliche, einmal die weibliche Form zu nehmen. Irgendwie aber hatte ich plötzlich keine Lust mehr auf Studenterichenfutter oder wie das jetzt heißt und kaufte mir stattdessen Knabberbrezeln. Auf der Packung stand tatsächlich „Brezeln“, obwohl ja die Brezel weiblich ist. Ich durchforstete das Regal, fand aber zu meiner Erleichterung keine „Knabberbrezleriche“ oder ähnlichen Unfug. Heiliger Bimmbamm!

Der 1967 vom Westberliner  Polizisten Kurras im DDR-Auftrag erschossene Student Benno Ohnesorg ist also im angeblich „geschlechtergerechten“ Tschändadoitsch ein „verstorbener Studierender“. Nur, und das zeigt den ganzen Unfug dieser noidoitschen Sprachregelungen, die z.B. jetzt auch vom Doitschlandfunk übernommen werden, auf – Benno Ohnesorg ist eben kein Studierender mehr. Wer nämlich – und jetzt Deutschlandfunk bitte mitschreiben! – tot ist, studiert nicht mehr. Das substantivierte Verb – weiter mitschreiben, Deutschlandfunk! – ergibt nämlich nur dann Sinn, wenn das in Frage stehende Subjekt (in dem Fall Benno Ohnesorg) noch am Leben, demnach in der Lage ist, eine Universität aufzusuchen. Hostmi, Deutschlandfunk? Ansonsten geht man halt in eine Studierendenkneipe, und dort hocken biertrinkende Studierende, die grade nicht studieren, sondern Bier trinken.

Auch eine sich noch unter den Lebenden befindende Person (DIE Person!) ist nur dann ein „Teilnehmender“ , wenn sie an etwas teilnimmt. Und eine Versammlung von Männern besteht nunmal aus Personen und nicht aus Personerichen. Ebenso setzt sich eine Gruppe von Frauen aus Menschen zusammen und nicht aus Menschinnen. Und ein Autofahrer (oder eine Autofahrerin) ist eben kein Autofahrender, sondern er bleibt ein Autofahrer, auch wenn er gerade kein Auto fährt. Es handelt sich also um eine zeitlich überdauernde Eigenschaft, während ein substantiviertes Verb seine Aussage eben nur auf den Zeitraum bezieht, in dem die (!) betreffende Person eben jene Tätigkeit ausführt, die genannt wird.
Äh, wo ist jetzt der nette Mensch von Deutschlandfunk, ist der schon gegangen? Er kam nicht mehr mit? Schade!

Auch die Stadt Hannover, so erreichte uns die Kunde, hat nun gewissermaßen von Amts wegen das geschlechtergerechte Amtsdoitsch eingeführt. Auf der Internetseite der Stadt Hannover ist folgendes zu lesen: „Das Sternchen* zwischen der maskulinen und femininen Endung soll in der Schriftsprache als Darstellungsmittel aller sozialen Geschlechter und Geschlechtsidentitäten dienen und hebt gezielt den Geschlechterdualismus auf. Beim Vorlesen wird der Gender Star durch eine kurze Atempause gekennzeichnet. Er ersetzt das bisher verwendete Binnen-I.“. Womit der Satz böser Zungen „nichts ist doofer als Hannover“ nun endgültig und überhaupt und ein für alle Mal widerlegt wäre. In Wörding stellt man sich gerne diese herrlichen geschlechtergerechten Atempausen vor … wir atmen für die Geschlechtergerechtigkeit! Wunderbar!! Hannover, du Auserwählte unter den Metropolen dieses Planeten, geh du voran im Kampf gegen die in dieser Welt waltenden Ungerechtigkeiten!!!
Wie der Wördinger Bote in Erfahrung bringen konnte, taumeln die Hannoveraner Frauen seit der Einführung der neuen Sprach- und Atempausenregelungen nur noch vor lauter Freude durch die Straßen. Ganz Hannover soll sich angeblich im fortwährenden und für alle Zeiten garantierten Geschlechtergerechtigskeitsfreudentaumel befinden. Was wir aber hier in Wörding gerne noch gewußt hätten ist, wie die Stadt Hannover sich die „Aufhebung des Geschlechterdualismus“ vorstellt. Wahrscheinlich gibt es dort keine Frauenärzte mehr. Sondern Mensch*(ATEMPAUSE!)innenärzt*(ATEMPAUSE!)innen. Na, wenn das kein(e) Fortschritt*(Atempause_rich)in ist! Nicht nur sprachlich, auch medizinisch! Endlich können die Hannoveraner Männer sich mal einem Schwangerschaftstest unterziehen! Die Wördinger Männer scharren schon mit den Hufen und wollen das auch! Dringend!! Gerechtigkeit für die Wördinger Männer!!!

 

Wir wollen für heute schließen mit Käptn Blaubär und Pippi Langstrumpf.
Bernhard Lassahn, der Schöpfer von Käptn Blaubär prägte einen wundervollen Satz, um den Unsinn des geschlechtergerechten Deutsch zu demonstrieren: „Frauen sind die besseren Autofahrerinnen und Autofahrer“. (Bitte die Augen schließen, bis drei zählen und den Satz langsam auf der Zunge zergehen lassen. Danach bitte den in geschlechtergerechter Sprache umgedoitschten Gedichtband von Matthias Claudius zur Hand nehmen und das Gedicht „Das Mönder*xx ist aufgegangen“ langsam und laut lesen. Atempause nicht vergessen! Dabei bitte wahlweise Beruhigungsmittel oder hochprozentige Getränke in Reichweite halten, bitte nicht in Kombination einnehmen, denn dann könnten Wechselwirkungen entstehen, die jenen ähneln, die beim Wördinger Boten beim Lesen von geschlechtergerechter Sprache entstehen  …)

Ansonsten gilt als Orientierungshilfe und Alltagstrost, spätestens dann, wenn das „Studierendenfutter“ in die Regale kommt, der abgewandelte Satz von Pippi Langstrumpf: „Man muss sich schon ganz schön viel Mist anschauen, bevor einem die Augen rausfallen!“ Oder?

 

PS: Aus Wörding erreicht uns der Nachtrag, dass es sich bei der Passage mit dem Studierendenfutter – Stand August 2019 – um reine Fiktion handelt. Angesichts der aktuellen Ausbreitungsgeschwindigkeit von (sprachlichem) Unsinn allerdings ist heutzutage die satirische Tinte noch nicht getrocknet, da spürt sie schon den warmen Atem der Realität im Nacken (eine sehr schräge Metapher, wie die Redaktion der Radikalen Poesie findet). Die Hannoveraner Passage allerdings sei, so vermeldet Wörding,  bittere Realität. Satire könne ja viel, aber solch einen Quatsch vermöge nur die Realtität hervorzubringen.

PPS: Eben erreichte uns eine Nachricht des Wördinger Facharztes für Augenheilkunde. Er meinte, beim „Gender Star“ handele es sich womöglich um eine Augenkrankheit, ähnlich dem Grauen Star. In der Achliteratur, verzeihung: Fachliteratur, sei der Gender Star aber bislang vollkommen und unzulässigerweise ignoriert worden. Ob der Gender Star operativ oder konservativ behandelt werden könne, entziehe sich seiner Kenntnis, hier bedürfe es dringend weiterer Forschung.

Beitragsfoto: HÖLLBACH © Lothar Eder 2015

6 Gedanken zu “Post aus Wörding – Studierendenfutter

  1. Und Babys entstehen manchmal, indem ein ArztIn in den Bauch einer Frau ein Ei legt, das zuvor mit dem Samen eines Mannes befruchtet worden ist – daran ist ja nichts nicht zu verstehen, finde ich.

    Jetzt erst habe ich – Eintrag im systemagazin von Ihnen – diese Seite entdeckt. Wird eine Weile dauern, es nachzulesen …

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    1. Der Wördinger Bote meint: ja. Aber nur mit Tschändastern. Atempause nicht vergessen. Und Atempause richtig schreiben: Atem* in_pause* erich. Nach „Atem“ und vor „pause“ jeweils eine Atempause machen, sofern das Wort gesprochen wird. Metadiskurse über Atempausen sollen in Tschändarallalakreisen schon zu kollektivem Hecheln bis zur Hyperventilation geführt haben. Die Stadt Hannover hat angeblich in ihrem hero* (Atempause) innenhaften Kampf für Gerechtigkeit beireits eine größere Summe für die Durchführung von geschlechtergerechten Atemkursen bereitgestellt.

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