Ja, es ist richtig, es fehlt meinem Leben deutlich an Spannung. Nein. Das ist natürlich blanker Unsinn. Es fehlt mir deutlich an Entspannung. Sagt zumindest mein Körper. Und der glaubt doch tatsächlich, dass er recht hat.

Ich habe also mal wieder was per Versand bestellt. Nein, nicht bei Jeff Bezos, bei dem bestell ich nix, weil der meiner Meinung nach schon genug Geld hat und den Einzelhandel kaputtmacht (also gut, ich geb zu, einmal im Jahr bestell ich dort was, wenn ich mal kurz vergesse, dass ich eigentlich ein guter Mensch bin).

Das was ist bestellt habe kommt mit der DHL. Früher hießen die Paketpost. Klingt natürlich voll langweilig. DHL klingt viel kuhler. Ich warte auf den Tag, an dem jemand die DHL als Die-Eitsch-Äll ausspricht und ich fürchte, dieser Tag ist nicht fern. Ich bin aber schon froh, wenn die DHL mein Paket bringt und nicht andere Zulieferer, denn deren Fahrer sind selten in der Lage, sich sprachlich mit mir zu verständigen, dafür duzen sie mich meist unaufgefordert, schmeißen, wenn niemand da ist, Pakete bei Regen einfach über den Zaun oder liefern sie in Abholstationen am anderen Ende der Stadt ab.

Die Die-Eitsch-Äll hingegen ist ausnahmslos freundlich zu mir und schickt mir immer Post, wenn ein Paket an mich unterwegs ist. Ich kriege also zweimal Post. Das finde ich großzügig. Die Post ist allerdings elektronisch. Das Paket gottlob nicht.

Natürlich weiß ich, dass heutzutage alles schnell gehen muss. Schließlich wollen die Hersteller für Beruhigungsmittel auch von was leben. Und dass die DHL keine Zeit hat, mir Kärtchen zu schicken. Ich brauche ja auch keine Kärtchen, mir reicht das Paket. Und es würde mir reichen, wenn die DHL mein Paket einfach vorbeibringt und, wenn ich nicht da bin, es in der Gartenhütte oder beim Nachbarn abliefert.

Die DHL aber will mir nicht nur Pakete bringen, die mir Freude machen, sie will mich zusätzlich und ohne Eintrittsgeld bespaßen. Also teilt sie mir mit, dass ich mein Paket jetzt live verfolgen könne. Wau! Das wollte ich schon immer mal. Gut, ich habe schon Sportereignisse, v.a. Fußballspiele live verfolgt. Ich habe das genossen, v.a. wenn die Bayern gewonnen haben. Und mir ist wohl bewußt, dass ich in einer Iväntgesellschaft lebe. Warum also soll die Anlieferung eines Paketes nicht auch ein Ivänt sein?

Nun will ich hier an dieser Stelle aber offen sein und zugeben, dass ich die Liveübertragung des Transports meiner Pakete bislang noch nicht verfolgt habe. Nicht nur, dass mir nicht bekannt ist, wo sich denn das Fietscha für die Übertragung, also der Knopf am Gerät, befindet. Es hat mir ehrlichgesagt bislang einfach die Motivation für die Liveübertragung meiner Paketanlieferung gefehlt. An der Stelle bin ich jetzt mal ganz ehrlich und will der Die-Eitsch-Äll reinen Wein einschenken. Wie mein Paket so durch die Republik schaukelt ist mir – verzeihung – schlichtweg wurscht. Mich interessiert – ja, da bin ich halt ein wenig reduziert – nur der Inhalt.

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