Ich erinnere mich: als ich ihn, den damals, vor 10, 12 Jahren als neuen Star am Jazzhimmel gehandelten Pianisten das erste Mal auf der Bühne sah. An den jungen Mann, der aussah, als käme er gerade vom Abiturball (dem eigenen): großgewachsen, schlaksig, bleich, verwuschelte Haare, der sich artig vor dem Publikum verneigte und ein wenig unsicher wirkte. So als würde er Weiterlesen
„Alles ist wie nicht geschehen … Es ist ein Tag im September, und wenn man aus den finstern und gar nicht kühlen Gräbern wieder ans Licht kommt, blinzeln wir, so grell ist der Tag; ich sehe die roten Schollen der Äcker über den Gräbern, fernhin und dunkel das Herbstmeer, Mittag, alles ist Gegenwart, Wind in den staubigen Disteln, ich höre Flötentöne, aber das sind nicht die etruskischen Flöten in den Gräbern, sondern Wind in den Drähten, unter dem rieselnden Schatten einer Olive steht mein Wagen grau vom Staub und glühend, Schlangenhitze trotz Wind, aber schon wieder September: aber Gegenwart, und wir sitzen an einem Tisch im Schatten und essen Brot, bis der Fisch geröstet ist, ich greife mit der Hand um die Flasche, prüfend, ob der Wein (Verdicchio) auch kalt sei, Durst, dann Hunger, Leben gefällt mir – „
„Er aber hatte sich nicht bewegt in all dem Trubel, hatte nur stumm zugeschaut, zugehört und versucht, zu verstehen und zu hören, was er hinter all dem hörte und sah, was er sah und hörte.
Es war eine Geschichte, die weiterging. Es war seine Geschichte.“
In einem Roman von Ulrich Schacht (Notre Dame, S. 222) finde ich dieses Zitat von Paul Valéry aus seinem Vorwort zu „Mer, Marines, Marins“. Ich habe diese Passage immer Weiterlesen
Ich persönlich gehöre zu den Menschen, die Regen sehr schätzen. Ich liebe Regentage. Sie entspannen mich. Sie geben mir das Recht, drinnen zu bleiben, zu dösen, zu schlafen, zu lesen. zur produktiven Untätigkeit. Weiterlesen
Auf Reisen. Vorgestern saß ich im Frühstücksraum eines Gasthofs in einem niedersächsischen Dorf, südlich von Hamburg. Der Blick fällt durchs Fenster nach draußen auf die Kreisstraße, Zubringer zur Autobahn. Es herrscht nicht viel Verkehr, die wenigen Autos aber sind schnell und rastlos unterwegs. Dann, wie aus einer anderen Welt, fährt eine schwarze Kutsche vorbei. Hinten, in den beiden Nischen rechts und links, zwei kleine Blumensträuße. Eine Trauerkutsche, auch der Kutscher auf dem Bock ist schwarz gekleidet. Die Kutsche trotzt dem Tempo, das die Straße vorgibt. Sie entzieht sich ihm. In würdevoller, entschlossener Langsamkeit schwebt sie fast vorüber.
Mörikes Gedicht „Denk es o Seele“ kommt mir in den Sinn. Hugo Wolf hat es vertont, es ist Teil seiner „Mörike Lieder“. Von den zahlreich verfügbaren Interpretationen des Liedes habe ich eine von Dietrich Fischer-Dieskau aus dem Jahr 1957 ausgewählt: