Regen

Ich persönlich gehöre zu den Menschen, die Regen sehr schätzen. Ich liebe Regentage. Sie entspannen mich. Sie geben mir das Recht, drinnen zu bleiben, zu dösen, zu schlafen, zu lesen. zur produktiven Untätigkeit. Weiterlesen

Denk es, o Seele

Auf Reisen. Vorgestern saß ich im Frühstücksraum eines Gasthofs in einem niedersächsischen Dorf, südlich von Hamburg. Der Blick fällt durchs Fenster nach draußen auf die Kreisstraße, Zubringer zur Autobahn. Es herrscht nicht viel Verkehr, die wenigen Autos aber sind schnell und rastlos unterwegs. Dann, wie aus einer anderen Welt, fährt eine schwarze Kutsche vorbei. Hinten, in den beiden Nischen rechts und links, zwei kleine Blumensträuße. Eine Trauerkutsche, auch der Kutscher auf dem Bock ist schwarz gekleidet. Die Kutsche trotzt dem Tempo, das die Straße vorgibt. Sie entzieht sich ihm. In würdevoller, entschlossener Langsamkeit schwebt sie fast vorüber.

Mörikes Gedicht „Denk es o Seele“ kommt mir in den Sinn. Hugo Wolf hat es vertont, es ist Teil seiner „Mörike Lieder“. Von den zahlreich verfügbaren Interpretationen des Liedes habe ich eine von Dietrich Fischer-Dieskau aus dem Jahr 1957 ausgewählt:

 

Trilogie der Vertreibung II – „Altes Land“ von Dörte Hansen

Der zweite Roman, den ich in dieser kleinen Rezensionsreihe vorstellen möchte, ist „Altes Land“ von Dörte Hansen. Das Buch ist das vielbeachtete Debut der Autorin aus dem Jahr 2015, in der Presse hochgelobt und auf Platz eins der Bestsellerlisten. Zurecht, möchte ich voranstellen.

Es ist dies ein kräftiger, mit sicherem Gespür geschriebener Text, der die Seelenlandschaft seiner Personnage in treffenden Metaphern verdichtet, ohne je geschwätzig zu werden. Die Handlung erfährt man Weiterlesen

Ulrich Schacht (9.3.1951 – 16.9.2018)

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Bildquelle: ef Magazin

Verrat mir ein / Geheimnis. Oder mich. Oder / lösch ganz einfach das / Licht in deinem / Auge wenn du / gehst will // ich in der / Tür stehn die / Blätter zählen die der / Wind aufwirbelt ihre / Summe wissen wenn / sie wieder am / Boden // liegen: Das / Muster bergen das / unseren Augen / bleibt.
(Ulrich Schacht, Herbst Brief)

Beschleunigung und Beziehung: Jacques Tati

Es ist ein Film aus einem anderen Zeitalter. Ein Zeitalter, in dem Effizienz noch nicht das Maß aller Dinge war. In dem das Gute noch gut genug war und nicht das Bessere zum Feind hatte. Und in dem Zeit war für das Pflegen auch alltäglicher Beziehungen.

Der Schauspieler und Regisseur Jacques Tati war ein charmant-kreativer Kritiker des sogenannten Fortschritts – wohin schreiten wir eigentlich, wenn wir fort-schreiten? Er erfand zahlreiche Figuren, die uns mit ihrer unbestechlichen Komik die Absurdität des Alltags und eines vermeintlichen Fortschreitens vor Augen führen. Gesprochen wird wenig in diesen Filmen. Dafür leben sie von der Gestik und von Geräuschen, ein Stilmittel, das Tati durchgehend verwandte.

„Rapidité“ ist das Zauberwort, das den Briefträger Francois beim Anschauen eines amerikanischen Filmes über das moderne Postwesen befällt. Und so verfällt er auf seinem Postfahrrad dem Rausch von Geschwindigkeit und Effizienz. Der Plausch mit seinen Mitmenschen bleibt dabei natürlich auf der Strecke.

Und genau dies finden wir ja in unserer „schönen neuen Welt“ tagtäglich: keine Zeit, keine Entspannung und zerstörte soziale Bindungen. Und Jacques Tati vermochte es wie kaum ein anderer, uns diese Absurdität auf derlei amüsante Weise vorzuführen.